Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

sehen  Gründen  als  nicht  mehr  erweiterungsfähig,  zumal  die  Anforderungen
  an  die  Gasversorgung  durch  die  Ausdehnung  der  Kommunen
extrem  wuchsen.
In  Sul^bach,  wo  der  Holzhändler  Ludwig  Zeitz  von  seiner  Fabrik  aus  die
Gemeinde  mit  Leuchtgas  versorgte,  erreichte  die  Erzeugungseinrichtung
  spätestens  zu  dem  Zeitpunkt  die  Leistungsgrenze,  als  die  Vopeliussche
  Glashütte  an  das  Leitungsnetz  angeschlossen  wurde,  infolge
fehlender  Reinigungsanlagen  mehrten  sich  gleichzeitig  Beschwerden
über  die  mangelhafte  Qualität  des  Gases.  Zudem  beeinträchtigten
starke  Bergschäden  den  Betrieb.  Schließlich  stand  die  Tatsache,  dass
Zeitz  i.d.R.  nur  kurzfristige  Konzessionsverträge  mit  der  Gemeinde  abschloss,
  einer  langfristig  planbaren,  auf  Expansion  ausgerichteten  Siedlungspolitik
  entgegen.
Auch  in  Dudmikr  zeigte  sich  die  kleine  Gasanlage  der  Eisengießerei  von
Wilhelm  Schulde  den  Anforderungen  einer  wachsenden  Bergarbeitergemeinde
  nicht  mehr  gewachsen.  Zwischen  1871  und  der  Jahrhundertwende
  hatte  sich  die  Bevölkerungszahl  auf  16.320  Einwohner  last
verdoppelt.280  Der  Unternehmer  kam  deshalb  mit  der  Gemeindeverwaltung
  überein,  dass  das  alte  Gaswerk  zur  Versorgung  des  Bahnhofs  und
der  umliegenden  Straßenzüge  in  Betrieb  bleiben  sollte,  während  das
neue  kommunale  Gaswerk  zur  Versorgung  der  neuen  Ortsteile  und
Kolonien  dienen  sollte.  Da  sich  beide  Parteien  aber  nicht  auf  einen
Verkaufswert  für  das  alte  Gaswerk  einigen  konnten,  ging  die  Gemeinde
erst  1907  auf  ein  entsprechendes  Angebot  der  Firma  Schulde  ein,  den
ihr  verbliebenen  Absatz  von  ca.  47.000  Kubikmeter  auf  das  gemeindeeigene
  Gaswerk  zu  übernehmen.  Die  Firma  erhielt  hierfür  eine  Abfindung
  von  5.000  Mark.281
In  Homburg  spitzten  sich  die  Auseinandersetzungen  zwischen  der  Stadt
und  Wilhelm  Schulde  über  die  unterschiedlichen  Preisvorstellungen  zu.
Da  der  bayrische  Landtag  in  Homburg  die  Errichtung  einer  Heil-  und
Pflegeanstalt  plante,  sicherte  die  Stadt  in  einer  Vereinbarung  vom  14.
Oktober  1904  dem  pfälzischen  Regierungspräsidenten  zu,  der  Anstalt
das  Gas  zum  Preise  von  15  Pfg.  pro  Kubikmeter  zu  liefern.  Die  Erben
des  inzwischen  verstorbenen  Wilhelm  Schulde  forderten  jedoch  16  Pfg.
und  stellten  darüber  hinaus  eine  Reihe  weiterer  Forderungen,  u.a.  die
Konzessionserteilung  auf  30  Jahre.  Da  die  Stadtverwaltung  hierauf
nicht  einging,  bot  die  Firma  der  Stadt  das  Gaswerk  zum  Kauf  an.  Für

280  Vgl.  Dietrich  (1977),  S.  294;  Arend  (1991),  S.  50
281  Bezverw.  Dud.  A  371:  Firma  Schulde  vom  18.4.1907;  Erwiderung  vom  1.5.1907

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