Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

destens  ebenso  gut  das  Risiko  und  den  Betrieb  derartiger  Werke  übernehmen  kann
wie  eine  Privatgesellschaft  und  das  war  auch  in  Mittelbexbach  der  Pall".211
Für  den  Ankauf  des  Gas-  und  Wasserwerks  nahm  die  Gemeinde  bei
verschiedenen  Banken  und  Sparkassen  eine  Anleihe  von  270,000  Mark
auf,  welche  sie  in  50  Jahren  abtragen  wollte.2  2  Schließlich  stimmte  auch
eine  Bürgerversammlung  dem  Vorhaben  der  Verwaltung  zu;  am  1.  Januar
  1909  ging  das  Gaswerk  in  Gemeindebesitz  über.
Gingen  die  Übernahmeverhandlungen  in  St.  Johann,  St.  Wendel  und
Mittelbexbach  ohne  wesentliche  Komplikationen  vor  sich,  weil  die
Vertragsbestimmungen  eindeutig  oder  die  Privatunternehmen  gegen
hohe  Abstandszahlungen  zum  Einlenken  bereit  waren,  sah  sich  Saarlouis
zu  weitgehenden  Zugeständnissen  gezwungen.  Hier  hatte  sich  vor  allem
in  den  70er  und  80er-Jahren  das  Verhältnis  zwischen  dem  Privatunternehmer
  Gustav  Franke  und  der  Stadt  wesentlich  verschlechtert.
Zwischenzeitlich  erwog  die  Verwaltung  sogar,  die  Gasbeleuchtung
durch  Öllaternen  zu  ersetzen.273  Sie  verwarf  aber  diese  Pläne  und  stellte
stattdessen  Überlegungen  an,  nach  Ablauf  des  Beleuchtungsvertrages
im  fahre  1892  ein  eigenes  Gaswerk  zu  errichten.  Nach  Prüfung  des
Konzessionsvertrages  stellte  sich  jedoch  heraus,  dass  die  Firma  Franke
über  ein  ewiges  Beleuchtungsmonopol  für  sämtliche  Straßen  der  Altstadt
  verfügte.2”4  Eine  juristische  Prüfung  ergab,  dass  ein  etwaiger  Prozess
  gegen  die  Firma  nur  wenige  Erfolgsaussichten  besaß.  Es  blieb  nur
der  Ankauf.  Die  Ankaufskosten  betrugen  zwar  nur  48.000  Mark,  doch
stellte  sich  nach  genauer  Prüfung  heraus,  dass  das  Rohrnetz  aus  Bleirohren
  völlig  veraltet  und  zudem  stark  verharzt  war,  und  auch  die  Erzeugungsanlagen
  komplett  erneuert  werden  mussten.  Der  Ankaufspreis
stellte  sich  somit  als  weit  überzogen  heraus.275
Eine  zweite  Form  der  (Re-)Kommunalisierung  lief  dergestalt  ab,  dass
die  Gemeinden  die  in  Verpachtung  stehenden  Gaswerke  wieder  in  ihre
Obhut  brachten.  Ähnlich  wie  im  Falle  der  privat  geführten  Gaswerke
hatten  sich  die  verpachteten  Gaswerke  als  wichtige  kommunale  Einnahmequelle
  bewährt,  die  vollständig  und  nicht  nur  teilweise  in  kommunale
  Verfügung  übergehen  sollten.  Da  sich  im  Falle  der  Verpachtung
die  Frage  des  Ankaufspreises  erst  gar  nicht  stellte,  gingen  die  Gaswerke

2  1  Stadt  Bexbach:  Gemeinderatssitzung  vom  2.7.1908;  Homburger  Ztg.  vom  4.7.1908
2  2  Homburger  Ztg.  vom  4.7.1908  und  7.7.1908
2  3  StA  Sls.  NB  LX  1  SLS:  Brief  an  die  Kommandantur  vom  5.2.1886
214  Saar-Ztg.  vom  20.11.1903
275 Saarlouiser  Journal  vom  21.11.1903;  Schilling  (1896),  S.  267

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