fragt Umweltgeschichte in einem weitergehenden Verständnis nach der
gesellschaftlichen Aneignung einer Ressource, nach dem jeweiligen politischen,
wirtschaftlichen, rechtlichen und technikgeschichtlichen Kontext,
der der Nutzung eines Rohstoffs oder Energieträgers, von Wasser
oder Boden zugrunde lag. In welcher historischen Form gelang es jeweils,
Energieträgern oder sonstigen Ressourcen in ihrer Doppelrolle
als Lebensstoff und Wirtschaftsgut gerecht zu werden? Der Gaswirtschaft
kann hierbei die Aufgabe zukommen, Antworten zu liefern und
Modell abzugeben für eine Umweltgeschichte, bildet sie doch zugleich
den Ausgangspunkt der öffentlichen Versorgungswirtschaft, und ist sie
am stärksten von allen Energieträgern weitreichenden Strukturveränderungen
unterworfen.
Die Gaswirtschaft blickt in Deutschland auf eine lange Geschichte zurück.
Von der Eröffnung des ersten Gaswerks in Deutschland, 1826 in
Hannover, bis zur interkontinentalen Versorgung Europas aus Asien
und Afrika in unseren Tagen erlebte sie in vielfacher Hinsicht einen
fundamentalen Wandel. Das betrifft nicht nur den Übergang vom Abfallprodukt
der Energieträger Kohle und Koks zum Primärenergieträger
Erdgas, die unzähligen technischen Neuerungen und Verbesserungen,
die Gas heute zu einem zuverlässigen Brennstoff machen, die Entwicklung
der Preise, die den Stoff von einem Luxusgut zu einem für die gesamte
Bevölkerung erschwinglichen Produkt werden ließen, sondern
auch vor allem die Struktur der Gaswirtschaft. Sieht man von der Einführungsphase
im 19. Jahrhundert ab, in der Privatunternehmen die
Branche beherrschten, lag die Gasversorgung lange Zeit vollständig in
den Händen von Städten und Gemeinden. Im Jahre 1914, dem zeitlichen
Höhepunkt der kommunalen Gaswirtschaft, verfügten nicht weniger
als 1.400 Ortschaften in Deutschland über eine Gasversorgung,
davon bis auf wenige Ausnahmen mit Eigenerzeugung; Ausdruck der
Überzeugung, den Naturstoff Gas als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge
nicht der privatwirtschaftlichen Gewinnerzielung anheim zu
stellen. Seit dieser Zeit haben technische, wirtschaftliche und politische
Faktoren zu einer grundlegenden Umstrukturierung der Branche geführt,
mit dem Ergebnis, dass der kommunale beziehungsweise öffentliche
Einfluss in der Gasversorgung heute eher eine marginale Bedeutung
besitzt und weiter im Schwinden begriffen ist.
Die Branche befindet sich heute überwiegend in den Händen einiger
Privatunternehmen oder mehrheitlich privatwirtschaftlich dominierter
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