Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Stadt  das  Gaswerk  vom  15.  Oktober  1909  bis  zum  31.  März  1911  an
die  Berlin-Anhaltische  Maschinenbau  AG  (BAMAG),  welche  auch  die
Erweiterungsarbeiten  ausführte.  Damit  wollte  St.  Wendel  sicherstellen,
dass  das  Gaswerk  erst  zu  dem  Zeitpunkt  in  städtischen  Besitz  überging,
als  sowohl  die  interne  Organisation  (Buchführung)  als  auch  der
technische  Betrieb  ohne  Schwierigkeiten  verlief.266
In  Mittelbexbach  hatte  sich  der  Gemeinderat  ursprünglich  dafür  entschieden,
  das  Gaswerk  auf  eigene  Rechnung  zu  bauen  und  zu  diesem
Zwecke  eine  Anleihe  von  100.000  Mark  aufzunehmen.267  Hierzu  benötigte
  er  jedoch  die  Genehmigung  einer  Bürgerversammlung,  die  am  17.
April  1904  stattfand.  Die  Abstimmung  erbrachte  eine  Pattsituation:  34
Anwesende  unterstützten  den  Antrag  des  Gemeinderates,  34  lehnten
ihn  ab,  sodass  der  Antrag  keine  Mehrheit  fand.268  Da  die  Verwaltung
ihre  Pläne  aber  nicht  ohne  weiteres  aufgeben  wollte,  schlug  sie  in  einer
weiteren  Sitzung  des  Gemeinderates  vor,  eine  Konzession  an  eine  Privatgesellschaft
  zu  vergeben  und  das  Projekt  öffentlich  auszuschreiben.
Nachdem  die  Firma  August  Klönne  aus  Dortmund  ihr  Angebot  zurückgezogen
  hatte,  weil  sie  offensichtlich  keinerlei  Bereitschaft  zeigte,
bei  der  Bezirkssparkasse  eine  Kaution  zu  hinterlegen,  ging  der  Zuschlag
schließlich  im  Mai  1905  an  die  Firma  Kölwel  Nachfolger  in  Zweibrücken.269
  Bereits  ein  Jahr  später,  am  20.  Oktober  1906,  ging  das  Gaswerk
Mittelbexbach  in  Betrieb.270
Offenbar  arbeitete  das  Werk  in  den  Anfangsjahren  mit  großem  Erfolg,
und  da  die  Gemeinde  sich  vertraglich  ein  Ankaufsrecht  Vorbehalten
hatte,  beschloss  der  Gemeinderat  im  Dezember  1907,  das  Gaswerk  als
Gemeindebetrieb  zu  übernehmen.  Den  Ausschlag  gab,  "daß  es  für  unsere
Umlage  so  reiche  Gemeinde  dringend  nötig  sei,  das  von  einer  Privatgesellschaft  erbaute
  Gas-  und  Wasserwerk  für  die  Gemeinde  gu  erwerben  und  die  daraus  erhielten
Überschüsse  nach  Amortisation  und  Uerfnsung  des  Anlagekapitals  dem  Gemeindesäckel
  c(uerführen.  Immer  wieder  kann  man  die  Wahrnehmung  machen,  daß
Gemeindeverwaltungen  so  kurzsichtig  sind  und  derartige,  ganze  Gemeinden  umfassende
  Unternehmungen  privaten  Gesellschaften  zp  überlassen,  ohne  daß  die  Mehrheit
  des  Gemeinderates  und  der  Bürgerschaft  bedenkt,  daß  eine  Gemeinde  doch  min¬266

  St.  Wendeier  Volksblatt  vom  9.10.1909;  JfG  54.  Jg.  (1911),  Nr.  16,  S.  394
267  Stadt  Bexbach:  Gemeinderatssitzung  vom  25.10.1903;  Louis  (1912),  S.  37
268  Stadt  Bexbach:  Gemeinderatssitzung  vom  17.4.1904;  Hoppstädter  (1971),  S.  204
269  Stadt  Bexbach:  Gemeinderatssitzungen  vom  24.4.1904,  29.5.1904,  28.10.1904,
22.12.1904,  31.5.1905  und  20.5.1905;  Homburger  Ztg.  vom  3.4.1905  und  24.5.1905
270  Homburger  Ztg.  vom  25.10.1906

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