Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

sen  von  18  Pfg.  für  Leuchtgas  und  15  Pfg.  für  Kraft-,  Koch-  und  Heizgas
  zugestimmt.  Schon  kurz  nach  der  Pachtübernahme  beschwerten
sich  mehrere  Gewerbetreibende  über  die  enormen  Gaspreise.  Die
Dortmunder  Firma  begründete  diese  vor  allem  damit,  dass  in  den
Randgemeinden  nur  sehr  geringe  Anschlusswerte  erreicht  worden
seien.  So  nähmen  etwa  in  der  Gemeinde  Wustweiler-Hosterhof  bei  einer
  erforderlichen  Rohrnetzlänge  von  acht  Kilometer  ganze  36  Konsumenten
  nur  ca.  1.300  Kubikmeter  monatlich  ab.250  Erst  wenn  die  Gemeinde
  von  ihren  hohen  Pachtforderungen  abginge,  könne  auch  ein
Preisnachlass  gewährt  werden.
Anwohner  führten  zudem  mehrfach  Beschwerde  wegen  defekter  Straßenlaternen.
  Während  die  Bürgermeisterei  dem  Unternehmer  vorwarf,
die  Laternen  nicht  sachgemäß  zu  warten,  verwies  Klönne  auf  mutwillige
  Beschädigungen  der  Laternen  durch  Jugendliche  und  Bergleute.
Alleine  in  Merchweiler  seien  in  einer  Nacht  an  35  Laternen  die  Hähne
zugedreht  worden.251  Den  entscheidenden  Anstoß,  das  Pachtverhältnis
vorzeitig  zu  beenden,  gab  allerdings,  dass  es  die  Firma  Klönne  gewagt
hatte,  einen  Dampfkessel  im  Gaswerk  aufzustellen,  während  die  Gemeinde
  Illingen  den  für  den  Betrieb  notwendigen  Dampf  im  gemeindeeigenen
  Wasserwerk  erzeugen  und  an  das  Unternehmen  verkaufen
wollte.  Da  sich  die  Dortmunder  Firma  so  über  die  Entscheidungsgewalt
des  Gemeinderates  hinweggesetzt  hatte,  bat  die  Bürgermeisterei  im
August  1912,  den  Vertrag  vor  Ablauf  der  erstmaligen  Kündigungsfrist
von  drei  Jahren  aufzulösen.  Auch  entsprach  die  Einnahmesituation
nicht  den  Erwartungen  der  Verwaltung,  weil  Klönne  durch  hohe
Abschreibungssätze  und  Verlustausweisungen  die  Pachtzahlungen  an
die  Bürgermeisterei  überwiegend  umgehen  konnte.  Obwohl  der  Unternehmer
  die  Kündigung  des  Pachtvertrages  verhindern  wollte  und  eine
Reihe  von  Bedingungen  stellte,  ließ  sich  die  Bürgermeistereivertretung
auf  keine  weiteren  Verhandlungen  ein.252
In  Schiffweiler  arbeitete  die  "Gas-  und  Elektrizitätswerke  Schiffweiler
AG"  bis  nach  dem  Ersten  Weltkrieg  sehr  erfolgreich.  Erst  im  November
  1921  entzündete  sich  der  erste  ernsthafte  Konflikt  in  der  Bergarbeitergemeinde
  an  der  Ankündigung  der  Unternehmensleitung,  als
erstes  Gaswerk  in  der  Region  das  Gas  nicht  mehr  in  Mark,  sondern  in¬250

  LA  Sbr.  Dep.  111.  673:  Klönne  an  den  Bürgermeister  vom  26.2.1912
251  LA  Sbr.  Dep.  111.  664:  Schreiben  an  Bürgermeister  vom  15.3.1911;  Dep.  111.  Nr.
673:  Schreiben  an  Klönne  vom  5.12.1912
2ri2  LA  Sbr.  Dep.  111.  873:  Bürgermeistereirat  vom  8.8.  und  28.10.1912,  Schreiben
Klönne  vom  13.8.  und  13.11.1912

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