zu Spiritus und Petroleum als Beleuchtungsmittel zurückzukehren.246
Angesichts dieser Stimmungslage sah sich die Verwaltung zum Handeln
veranlasst. 1911 bat sie die Aktiengesellschaft für Gas und Elektrizität,
an die Ritter das Gaswerk zwischenzeitlich verkauft hatte, vorzeitig den
Vertrag zu lösen und das Gaswerk an die Stadt Merzig zu übertragen.
Das Unternehmen zeigte sich von einem solchen Vorhaben alles andere
als begeistert. Wenn die Stadt Herr in ihrem Hause werden wolle,
antwortete der Generaldirektor Ritter in einem Schreiben an den
Bürgermeister Thiel "so müssen Sie schon einen tiefen Griff in den Beutel
tun''?*1 Auch besitze die Gesellschaft laut Vertrag von 1885 ein ewiges
Versorgungsmonopol und es mache wenig Sinn, in einer Stadt von der
Größenordnung Merzigs ein Konkurrenzgaswerk zu errichten.248 Während
sich die Firma in ihrer Verhandlungsposition sehr gestärkt sah,
schaltete die Verwaltung den Ingenieur Otto Smreker aus Mannheim
ein, der auch die Pläne für das städtische Wasserwerk entworfen hatte.
Aber auch der Sachverständige kam in einem Gutachten zu der
Schlussfolgerung, "dass der Kon^essionsvertrag für die Stadt überaus ungünstig
ist und sgrar hauptsächlich durch den Mangel jeder Bestimmung über einen Rückkauf
des Werkes durch die Stadt bei Ablauf des Vertrages".249
Auch der llänger Pachtvertrag, den die Bürgermeisterei am 21. Oktober
1909 mit der Firma Klönne aus Dortmund abgeschlossen hatte, wies
eine Reihe von Defiziten auf. Zum einen stand der Bürgermeisterei das
Recht zu, den Vertrag schon nach drei Jahren mit halbjährlicher Frist
zu kündigen, zum anderen richtete sich der Pachtzins nach der Höhe
des Anlagekapitals - davon vier Prozent - und dem eventuellen Reingewinn
- davon 75 Prozent. Gleichzeitig hatte Illingen hohen Gaspreiund
Gestalt eines Fasses von 100 Litern Inhalt, erhalten durch den Solinverteiler den
gleichen Bedarf mittels eines Schöpfwerkes zugeführt, erzeugen durch Ansaugen der
entsprechenden Menge Luft und Vermischen dieser mit den Solindämpfen das
Aerogengas. Aus den beiden Entwicklern tritt das Gas durch den Stationsgasmesser in
den Gasbehälter und von da durch den Stadtdruckregler in die Stadtzuleitung." 1898
bestanden in 36 deutschen Städten und Gemeinden Aeogengasanlagen. Als Vorteile
konnte das Aerogengas für sich reklamieren, dass seine Heizkraft nicht hinter der des
Steinkohlengases zurückblieb, während seine Leuchtkraft stärker war. Die Anlage -
und Bedienungskosten eines Aerogengaswerkes waren bedeutend billiger, wohingegen
das Steinkohlengas nicht zuletzt in Folge der Verwertung der Nebenprodukte (Teer>
Koks usw.) in der Produktion Kostenvorteile aufzuweisen hatte.
246 herziger Ztg. vom 14.10.1909: Stimmen aus dem Publikum
247 LA Sbr. Dep. Stadt Merzig 683: Schreiben der Aktiengesellschaft vom 21.3.1911
248 LA Sbr. Dep. Stadt Merzig 683: Schreiben der Aktiengesellschaft vom 25.3.1911
249 LA Sbr. Dep. Stadt Merzig 683: Gutachten vom 31.8.1911
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