Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Konnten  in  Malstatt-Burbach  und  Neunkirchen  mögliche  Konfliktpunkte
  dadurch  ausgeklammert  werden,  dass  sich  die  Thüringer  Gasgesellschaft
  die  Option  offen  halten  wollte,  die  Gaswerke  nach  Beendigung
  der  Pacht-  und  Konzessionsverträge  in  ihren  Besitz  zu  bringen
oder  zu  behalten,  eskalierten  in  anderen  Gemeinden  die  Auseinandersetzungen.

In  Saarlouis  verschlechterte  sich  das  Verhältnis  zwischen  Gustav  Franke
und  der  Stadt,  als  die  Stadtverordnetenversammlung  im  September
1865  einen  Antrag  des  Unternehmers  ablehnte,  vom  Saarlouiser  Gaswerk
  eine  Leitung  in  das  benachbarte  Fraulautern  zur  Versorgung  einer
Blechwarenfabrik  verlegen  zu  dürfen.235  Da  dem  Unternehmer  damit
ein  bedeutender  Einnahmeposten  entging,  reichte  der  Ingenieur  im  Mai
1867  beim  Landgericht  in  Saarbrücken  Klage  gegen  die  Stadt  ein.  Er
warf  ihr  vor,  gegen  den  bestehenden  Beleuchtungsvertrag  verstoßen  zu
haben.  In  den  Jahren  1865  und  1866  hätte  nur  ein  Teil  der  Lampen  -
wie  vertraglich  vereinbart  -  1.000  Stunden  lang  gebrannt.  Damit  sei  die
Zahl  der  erforderlichen  Brennstunden  insgesamt  um  8.681  Stunden
unterschritten  worden,  dem  Unternehmer  stünden  folglich  noch  380
Taler  zu.236  Das  Königliche  Landgericht  wollte  den  Vorwürfen  von
Franke  aber  nicht  folgen  und  lehnte  die  Klage  ab.23’  Die  Stadt,  in  ihrer
Position  gestärkt,  versuchte  in  der  Folgezeit  ihrerseits  dem  Unternehmer
  Verstöße  gegen  den  Beleuchtungsvertrag  nachzuweisen.  Insbesondere
  die  Paragraphen  15  und  18  erhielten  wie  schon  angedeutet  Hinweise
  auf  die  qualitative  Beschaffenheit  des  Gases.  Bei  Nachweis  qualitativer
  Mängel  drohte  dem  Unternehmer  eine  Strafe  bis  zu  fünf  Taler.
Franke  wies  nach  neuerlichen  Vorwürfen  in  einem  Brief  vom  Januar
1878  darauf  hin,  dass  keine  Gasanstalt  das  Leuchtgas  ohne  Reste  von
Schwefelwasserstoff  liefern  könne.  Sogar  das  Berliner  Gas,  so  führte  er
als  Erklärung  an,  enthalte  23,6  Gramm  Schwefel  pro  100  Kubikmeter.238
  Auch  in  den  kommenden  Jahren  kam  es  immer  wieder  zu  Beschwerden
  über  die  Gasqualität.  1886  verschlechterte  sich  die  Gasversorgung
  derart,  dass  der  Bürgermeister  erwog,  die  Gasbeleuchtung
durch  Ollaternen  zu  ersetzen.239

235  StA  Sls.  NB  LX  1  SLS:  Schreiben  vom  22.8.1865  und  Antwortschreiben  des  Bürgermeisters
  Trable  vom  3.9.1865
236  StA  Sls.  NB  LX  1  SLS:  Klageschrift  vom  18.5.1867
237  StA  Sls.  NB  LX  1  SLS:  Urteil  von  9.6.1868  Franke  gegen  Saarlouis
238  SA  Sls.  NB  LX  1  SLS:  Franke  an  Bürgermeister  Feistei  vom  27.1.1878
239  SA  Sls.  NB  LX  1  SLS:  Brief  an  Kommandantur  vom  5.2.1886

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