Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

1895  hatte  sich  die  Produktion  im  Vergleich  zu  1885  verdoppelt.  Da
der  Gasanstalt  durch  die  höhere  Auslastung  der  Anlage  sinkende  Erzeugungskosten
  erwuchsen,  war  sie  in  der  Lage,  die  Gaspreise  weiter  zu
senken.  Verschiedene  Gewerbebetriebe  forderten  zudem  mehrfach  eine
Herabsetzung  des  Gaspreises  für  den  Betrieb  von  Gasmotoren.229  Am
30.  August  1895  stimmte  die  Stadtverordnetenversammlung  dem
Vorschlag  der  Pächterin  zu,  die  Preise  für  Leuchtgas  zu  Koch-  und  gewerblichen
  Zwecken  von  zwölf  aui  zehn  Pfg.  pro  Kubikmeter  zu  reduzieren.
  Gleichzeitig  sollte  mit  dieser  Maßnahme  der  Absatz  in  den
Wachstumsfeldern  "Kochen"  und  "Motoren"  ausgeweitet  werden.230
Auch  in  Malstatt-Burbach  erklärte  sich  das  Unternehmen  bereit,  die
Erzeugungsanlagen  auszubauen.  1888  kam  ein  zweiter  Gasometer  mit
einem  Fassungsvermögen  von  800  Kubikmetern  hinzu.231  18  9  5  umfasste
  die  Anstalt  vier  Ofen  mit  26  Retorten,  zwei  Luftkondensatoren,
ein  Exhaustor,  zwei  Skrubber  und  zwei  Gasometer  mit  zusammen
1.400  Kubikmeter  Inhalt.  Die  Länge  des  Rohrnetzes  betrug  16  Kilometer.232
  Das  Gaswerk  erreichte  damit  seine  Kapazitätsgrenze.  1897,  als
der  Absatz  im  Vergleich  zum  Vorjahr  noch  einmal  um  über  13  Prozent
zunahm,  stellte  sich  endgültig  die  Frage  eines  Neubaus.  Das  alte  Gaswerk
  verfügte  bei  einer  Tageserzeugung  von  1.000  Kubikmeter  gerade
einmal  über  einen  Behälterraum  von  700  Kubikmeter  und  einen  Reinigerraum
  von  vier  Quadratmeter.  Insbesondere  zu  Zeiten  der  Spitzennachfrage
  wurden  diese  Kapazitäten  regelmäßig  ausgeschöpft.  Die
Thüringer  Gas-Gesellschaft  schlug  deshalb  den  Bau  einer  neuen  Reinigungsanlage
  und  eines  neuen  Gasbehälters  mit  4.000  Kubikmeter  Inhalt
vor.  Die  Stadtverordneten-Versammlung  stimmte  diesem  Vorhaben,
das  einen  Aufwand  von  über  85.000  Mark  verursachte,  am  4.  Mai  1897
zu.233  Die  letzte  Erweiterung  fand  im  Jahre  1902  statt:  das  Werk  wurde
durch  Umbau  auf  eine  Jahresproduktion  von  zwei  Mio.  Kubikmeter
erweitert.234

229  StA  Sbr.  MB  1265:  Gaswerkskommission  vom  22.6.1892
230  StA  Sbr.  MB  331:  Stadtverordneten-Versammlung  vom  30.8.1895
231  SA  Sbr.  MB  162:  Gas-Erweiterungs-Anlagen
232  Schilling  (1896),  S.  189
233  SA  Sbr.  MB  226:  Erläuternde  Bemerkungen  zum  Vergrößerungsprojekt
-34  SA  Sbr.  MB  1111:  Bericht  über  den  Stand  der  Gemeinde-Angelegenheiten  für
1902,  S.  X

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