Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Energieträger  gleich  jedweder  Art  besitzen  ähnlich  wie  etwa  Wasser
und  Boden  eine  außergewöhnliche  Doppelrolle.  Auf  der  einen  Seite  gehören
  sie  zu  den  Naturstoffen.  Der  Mensch  muss  sich  ihrer  zur  Befriedigung
  seiner  stofflich-materiellen  Bedürfnisse  -  etwa  nach  Nahrung,
Wärme  oder  Licht  -  bedienen.  Er  greift  auf  diese  Naturstoffe  in  einem
Austauschprozess  zurück.  Ausmaß  und  Form  der  Naturaneignung  unterliegen
  jedoch  ständigen  Veränderungen.  Sie  basieren  vor  allem  auf
den  wirtschaftlichen  und  politischen  Verhältnissen  und  werden  über
technologische  Entwicklungen  und  kulturelle  Standards  vermittelt.
Auf  der  anderen  Seite  stellen  Energieträger  in  den  modernen  Industriegesellschaften
  ein  Produkt  dar.  Deren  Nutzung  beziehungsweise  Nicht-Nutzung
  hängt  von  der  individuellen  Verfügung  über  Geld  ab:  erst  gegen
  Bezahlung  kommt  der  Konsument  in  den  Genuss  des  Energieträgers.
  Berücksichtigt  man,  dass  Gas  -  ob  als  fossile  Ressource  oder  als
Derivat  anderer  fossiler  Energieträger  —  erst  im  20.  Jahrhundert  umfassend
  genutzt  wird,  ist  auch  die  eigentliche  Gas  Versorgung  ein  Produkt  der
Industrialisierung:  Im  Zuge  dieses  Prozesses  treten  an  die  Stelle  in  der
Energiebeschaffung  mehr  oder  weniger  autarker  Wirtschaftssubjekte
Unternehmen  privatwirtschaftlicher  oder  auch  kommunaler  Natur,  die
den  Energieträger  und  Lebensstoff  Gas  den  Verbrauchern  als  Produkt
zur  Verfügung  stellen.  Hierfür  müssen  diese  i.d.R.  ein  Entgelt  entrichten.
  Die  konkrete  Ausgestaltung  der  Versorgung  unterliegt  dauernden
Veränderungen  der  gesellschaftlichen,  wirtschaftlichen  und  technischen
Rahmenbedingungen.
Aus  diesem  zentralen  Spannungsfeld  zwischen  dem  Lebensstoff  Gas,
der  nicht  alleine  wirtschaftlichen  Kriterien  unterliegt,  sondern  ein  Teil
der  Daseinsvorsorge  ausmacht,  und  dem  Wirtschaftsgut  Gas,  das  den
Maximen  von  Gewinnmaximierung  oder  zumindest  Kostendeckung
unterliegt,  beziehen  die  Gaswirtschaft  wie  auch  andere  Energieträger
ihren  politischen  und  auch  wissenschaftlichen  Stellenwert.  Betrachtet
man  weiterhin  die  heutige  Struktur  der  Gasversorgung  nicht  alleine  anhand
  des  Status-Quo,  sondern  aus  ihrer  historischen  Entwicklung,  und
schlägt  man  den  Bogen  vom  "Was  war?"  zum  "Was  ist?",  ist  damit  das
Forschungsfeld  von  "Umweltgeschichte"  in  einem  sehr  weitgehenden
Sinn  umrissen.  Einer  "Umweltgeschichte",  die  sich  jedenfalls  nicht  auf
die  Aneinanderreihung  von  Umweltschäden,  Umweltrisiken  und  Umweltbedrohungen
  in  der  Vergangenheit  beschränkt.  An  den  Schnittpunkten
  von  Ökologie  und  Ökonomie,  von  Lebenselement  und  Ware

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