Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

tung  stieg  im  gleichen  Zeitraum  von  51.475  auf  140.035  Kubikmeter.223
Zusätzlichen  Zuwachs  erzielte  die  Gasanstalt  indem  sie  der  Burbacher
Eisenhütte  1881  Sonderkonditionen  -  14  Pfg.  für  den  Kubikmeter  -
einräumte.  Der  Anstieg  der  Jahresproduktion  von  174.617  auf  300.968
Kubikmeter  im  Jahre  1892  resultierte  vor  allem  aus  dem  Bedarf  dieses
Großverbrauchers.224  Schon  bald  zeigte  sich  die  Hütte  mit  den  ihr
zugestandenen  Konditionen  nicht  mehr  zufrieden.  Da  sie  mit  150.000
Kubikmeter  fast  40  Prozent  des  Absatzes  des  Malstatt-Burbacher  Gaswerkes
  aui  sich  vereinte  und  ihre  wirtschaftliche  Position  bewusst  ausspielte,
  drohte  sie  schließlich  mit  dem  Bau  eines  eigenen  Gaswerks  oder
der  Einführung  der  elektrischen  Beleuchtung  und  forderte  weitere
Preisnachlässe.225  Während  sich  die  Thüringer  Gas-Gesellschaft  mit  einer
  Preisermäßigung  auf  zehn  Pfg.  pro  Kubikmeter  einverstanden
zeigte,  lehnte  die  Stadtverordnetenversammlung  am  20.  Januar  1887  die
Forderung  ab,  weil  sich  infolge  der  sinkenden  Einnahmen  auch  die
Pachtzahlungen  entsprechend  reduziert  hätten.226  In  den  darauf  folgenden
  Monaten  löste  ein  Vorschlag  den  Nächsten  ab.  Schließlich  einigten
sich  beide  Parteien  auf  folgendes  Modell:  Das  von  der  Stadt  benötigte
Gas  wurde  mit  20,  Eeuchtgas  mit  16,  Industriegas  mit  zwölf  und  das
Gas  für  die  Burbacher  Hütte  mit  zehn  Pfg.  pro  Kubikmeter  berechnet.
Die  Pacht  setzte  sich  neben  der  garantierten  Summe  von  9.500  Mark
aus  einer  Beteiligung  von  vier  Zehntel  an  den  Einnahmen  über  19.000
Mark  aus  den  drei  ersten  Absatzbereichen  und  aus  zwei  Zehntel  der
Einnahmen  aus  dem  Verbrauch  der  Burbacher  Hütte  zusammen.22'  Da
der  Absatzbereich  "Straßenbeleuchtung"  Ende  der  80er-jahre  nur  noch
geringe  Zuwachsraten  verzeichnete,  konzentrierte  die  Thüringer  Gasgesellschaft
  auch  in  Malstatt-Burbach  ihre  Bemühungen  auf  die  Absatzsteigerung
  "für  technische  Zwecke".  Alleine  zwischen  1886  und  1892
nahm  der  Gasverbrauch  für  technische  Zwecke  um  70.000  Kubikmeter
zu,  und  machte  schon  mehr  als  zehn  Prozent  des  Gesamtabsatzes
aus.228

223  JfG,  25.  Jg.  (1882),  Nr.  8,  S.  275;  Thüga  AG:  Geschäftsjahr  1880,  14.  Geschäftsbericht
  der  Thüringischen  Gas-Gesellschaft,  S.  13
224  StA  Sbr.  MB  1111:  Bericht  für  das  Rechnungsjahr  1902,  S.  X
223  StA  Sbr.  MB  331:  Burbacher  Hütte  an  Bürgermeister  Meyer  vom  15.1.1887;  Thüringer
  Gas-Gesellschaft  vom  30.11.1887;
226  StA  Sbr.  MB  331:  Stadtverordneten-Versammlung  vom  20.1.1887
22  StA  Sbr.  MB  331:  Stadtverordneten-Versammlung  vom  11.5.1887;  Saarbrücker
Ztg,  vom  26.1.1887
228 Thüga  AG:  Geschäftsberichte  der  Thüringischen  Gas-Gesellschaft  1885-1892

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