Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

zu  verknüpfen.  Der  Vorzug  bei  der  Aktienemission  liege  deshalb  immer
bei  den  Bewohnern  der  betreffenden  Gemeinde:  "Die  Gründe  dafür  sind
erfahrungsgemäß,  dass  die  Einwohner  und  besonders  angesehene  Bürger  die  besten
Förderer  und  Wahrer  des  Werkes  bilden.  Je  grösser  also  die  Beteiligung  der  Einwohnerschaft
  an  dem  A  ctienuntemehmen  ist  -  am  besten  war  es,  wenn  in  jedem
Hause  ein  Actionär  sässe  -  desto  mehr  wird  das  gedeihliche  Fortkommen  des  Werkes
  gewährleistet“.209  Auch  der  Aufsichtsrat  sollte  zur  Hälfte  aus  Vertretern
  der  Gemeinde  bestehen.
Das  Angebot  der  Firma  stieß  in  Schiffweiler  jedoch  nur  auf  geringe  Resonanz.
  Der  Bevölkerung,  welche  sich  überwiegend  aus  Bergleuten  und
ihren  Familienangehörigen  zusammensetzte,  standen  kaum  die  finanziellen
  Mittel  zur  Verfügung,  eine  Beteiligung  an  der  "Gas-  und  Elektrizitätswerke
  Schiffweiler  AG"  einzugehen.  Zugleich  konzentrierte  sich
das  Besitzbürgertum,  in  größeren  Städten  ausreichend  vertreten,  in  einer
  Bergarbeitergemeinde  wie  Schiffweiler  auf  eine  Hand  voll  Leute.
Die  "Franck'sche  Konstruktion"  besaß  deshalb  nur  geringe  Erfolgsaussichten.
  Bis  August  1899  kamen  gerade  26.000  statt  der  avisierten
350.000 Mark  zusammen,  der  Großteil  stammte  von  der  Schloßbrauerei
in  Neunkirchen.209 210  Die  Firma  Francke  musste  somit  die  Anlagekosten
überwiegend  aus  eigenen  Mittel  bestreiten.  Das  Gaswerk  Schiffweiler
ging  am  20.  Oktober  1900  in  Betrieb.211
Die  Entwicklung  in  der  Saarregion  weicht  somit  nicht  von  der  anderer
Regionen  ab.  In  den  Jahren  bis  um  1890  entschieden  sich  die  meisten
Kommunen  für  eine  privatwirtschaftliche  Lösung  der  Gasversorgung.
Neben  den  hohen  finanziellen  Risiken  und  den  technischen  Unwägbarkeiten
  spielte  hierfür  auch  das  Selbstverständnis  der  meisten  Gemeinden
  eine  ausschlaggebende  Rolle,  die  ihre  Hauptaufgaben  weniger
in  der  Gewinnerzielung  als  in  der  Konsolidierung  der  kommunalen  Finanzen
  sahen.  Kommunale  Gründungen  blieben  deshalb  die  Ausnahme
  und  gewannen  erst  am  Übergang  zum  20.  Jahrhundert  infolge  technischer,
  finanz-  und  kommunalpolitischer  Gründe  an  Bedeutung.

209  Bezverw.  Dud.  A  382:  Prospekt  über  "Franck'sches  System"
210  Gde.  Schiffweiler:  B  60  Gas-  und  Elektrizitätswerk
211  Vgl.  Zewe  (1930),  S.  75;  Kretschmer  (1993),  S.  374

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