Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Hans  Pies  und  Fabrikant  Karl  Alff  mit  dem  Führer;  Heutnant  Kommeier  vom
Infanterie-Regiment  70,  die  Gondel  (...).  Viele  tausende  Neugierige  von  nah  und
fern  waren  herbeigeeilt,  um  das  seltene  Schauspiel  mit  an^usehen  (...).  Nachdem  der
Ballon  den  Blicken  entschwunden  war,  stellten  sich  die  Feuerwehre  auf  der  Straße
vor  dem  Gaswerk  auf  worauf  Ingenieur  Schuß  als  Vertreter  der  Firma  Klön  ne  in
Dortmund  die  vor  dem  Werke  errichtete  Bühne  betrat  und  der  Bürgen?/eister  den
Betrieb  übergab.  Unter  dem  Präsentiermarsche  schritten  der  Regierungs-Assessor,
Bürgermeister  Krause  und  der  erste  Beigeordnete  Herrmann  Barth  die  Front  ab.
Hierauf  seßte  sich  unter  den  Klängen  des  Instrumental-Vereins  der  stattliche  Zug
in  Bewegung  und  marschierte  durch  die  reichbeflaggten  Straßen  in  den  großen  Saal
der  Wirtschaft  Deutscher,  woselbst  bis  7  Uhr  abends  Konzert  bestand".206
Gegenüber  den  rein  privaten  und  öffentlichen  Eigentumsformen  kamen
  Misch  formen  beider  Modelle  in  der  lokalen  Gasversorgung  kaum
zur  Geltung.  In  der  Saarregion  blieb  eine  solche  Zwischenlösung  auf
die  Bergarbeitergemeinde  Schiffweiler  beschränkt.  Dort  hatte  die  Bürgermeisterei
  einer  Anfrage  der  Firma  Carl  Francke  entsprochen  und  am
17. Mai  1899  einem  auf  50  Jahre  datierenden  Konzessionsvertrag  mit
der  Bremer  Firma  zugestimmt.207  Da  die  Firma  Francke  um  die  Jahrhundertwende
  in  ganz  Deutschland  Gaswerke  errichtete,  engte  sich  ihr
finanzieller  Spielraum  immer  mehr  ein.  Die  Gesellschaft  ging  deshalb
dazu  über,  lokale  Aktiengesellschaften  zu  gründen.  Damit  schien  die
Möglichkeit  gegeben,  örtliche  Finanzierungsquellen,  sei  es  von  Privatleuten,
  sei  es  von  Gewerbebetrieben,  zu  erschließen.  Auch  in  Schiffweiler
  hoffte  das  Unternehmen,  350.000  Mark  des  benötigten  Anlagekapitals
  in  Höhe  von  450.000  Mark  in  Form  von  Aktien  oder  so
genannten  Prioritäten  aufbringen  zu  können.208  Ferner  versprach  sich
Francke  von  einer  solchen  "genossenschaftlichen"  Lösung,  die  in  etwa
70  Gemeinden  in  Deutschland  bestand,  einen  Kompromiss  zwischen
privatwirtschaftlichen  und  öffentlichen  Interessen.  Während  ein  Privatunternehmer
  -  so  Francke  in  einer  Unternehmensbroschüre  -  mit
seiner  Anlage  nur  danach  trachte,  die  Bevölkerung  auszunutzen,  bestehe
  bei  Werken  im  öffentlichen  Besitz  wenig  Anreiz,  mehr  zu  schaffen
  als  unbedingt  notwendig.  Ziel  des  Franck'schen  Systems  sei  es  deshalb,
  den  Einfluss  der  Gemeinde  und  die  Interessen  des  Unternehmens

206  LA  Sbr.  Dep.  111.  673:  Bekanntmachung  vom  1.10.1910;  Nk.  Ztg.  vom  11.10.1910
20  Gde.  Schiffweiler:  Gemeinderatssitzung  vom  17.5.1899;  JfG,  42.  Jg.  (1899),  Nr.  45,
S.  758
208 StA  Saarlouis:  NB  XLTX  4  FRA:  Prospekt  der  Gas-  und  Electricitäts-Werke
Schiffweiler;  Körting  (1963),  S.  332

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