Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

herausgelöst  und  einer  eigenständigen  Rechnungslegung  unterworfen,
die  die  Entwicklung  von  Einnahmen  und  Ausgaben,  die  Amortisation
und  Verzinsung  der  eingesetzten  Investitionsmittel  genau  verfolgen
ließ.
Angesichts  dieser  veränderten  Ausgangslage  sahen  sich  auch  die  kleineren
  Kommunen  in  der  Verantwortung.  Auf  der  einen  Seite  betrieben
die  Gemeinden  mit  der  Aufnahme  der  öffentlichen  Gasversorgung  ein
Stück  Gewerbepolitik.  Im  Überlebenskampf  gegen  die  Großindustrie
kam  gerade  dem  Gasmotor  die  Funktion  eines  Rettungsankers  für  das
Kleingewerbe  und  den  Mittelstand  zu.  Solche  Hoffnungen  bestätigten
sich  aber  nicht,  nur  ein  Viertel  der  installierten  Kapazität  kam  im  Kleingewerbe
  zur  Anwendung,  der  Rest  in  der  Industrie.  Auf  der  anderen
Seite  standen  nicht  nur  die  Groß-  und  Mittelstädte,  sondern  auch
Kleinstädte  und  Gemeinden  im  Zuge  der  allgemeinen  Daseinsvorsorge
vor  der  Entscheidung,  das  Aufgabenfeld  "Gasversorgung"  ebenso  wie
Abwasserbeseitigung,  Abfallentsorgung  und  Wasserversorgung  als  öffentliche
  Einrichtung  zu  übernehmen.  Eng  mit  dem  Anspruch  der  Daseinsvorsorge
  verbunden  spielten  auch  sozialpolitische  Zielsetzungen
eine  Rolle.  Die  Preispolitik,  Ausnahmeregelungen  bei  der  Gebührenzahlung,
  die  Gebührengestaltung  sowie  die  Quersubventionierung  anschlussschwacher
  durch  anschlussstarke  Ortsteile  ermöglichte  den
kommunalen  Verwaltungen,  auf  ärmere  Bevölkerungskreise  Rücksicht
zu  nehmen.  Bestimmte  Gaswerke  gingen  deshalb  dazu  über,  einen
Gaspreis  zu  verlangen,  der  gerade  die  Kostendeckung,  aber  keine  Gewinnerziclung
  erlaubte.  Nicht  vergessen  werden  darf  auch  die  beschäftigungspolitische
  Bedeutung  der  kommunalen  Gaswerke.  Wie  kaum  ein
anderer  Versorgungsbereich  bot  die  Gasversorgung  somit  einen  Ansatzpunkt,
  kommunalwirtschaftliche  und  sozialpolitische  Zielsetzungen
zu  verbinden.  Gerade  für  die  kleinen  Gemeinden  bildete  sie  zudem  einen
  sichtbaren  Ausdruck  des  Aufbruchs  in  die  Moderne,  mit  der
Gemeindeverwaltung,  Staat  und  Einwohnerschaft  große  Hoffnungen
verbanden.  Die  Schilderung  der  Eröffnungsfeierlichkeiten  des  lllinger
Gaswerks  am  1.  Oktober  1910  lässt  ein  Stück  dieser  Hoffnung  erkennen:

"Gelegentlich  der  Einweihung  des  hiesigen  neu  errichteten  Gaswerks  war  am  verflossenen
  Sonntag  Nachmittag  ein  seltenes  Schauspiel  wohl  das  erste  in  seiner  Art
im  Kreis  Neunkirchen  gu  sehen.  Der  Uuft-Ballon  "Saar"  der  Sektion  Saar-Mosel
wurde  aufgelassen.  Nachdem  die  Vorbereitungen  unter  Ilingugiehen  einer  Abteilung
  der  hiesigen  freiwilligen  Feuerwehr  getroffen  und  der  Ballon  am  Gaswerke  gefüllt
  war,  bestiegen  um  halb  2  Uhr  Brauereibesit^er  Anton  Pies,  dessen  Bruder

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