herausgelöst und einer eigenständigen Rechnungslegung unterworfen,
die die Entwicklung von Einnahmen und Ausgaben, die Amortisation
und Verzinsung der eingesetzten Investitionsmittel genau verfolgen
ließ.
Angesichts dieser veränderten Ausgangslage sahen sich auch die kleineren
Kommunen in der Verantwortung. Auf der einen Seite betrieben
die Gemeinden mit der Aufnahme der öffentlichen Gasversorgung ein
Stück Gewerbepolitik. Im Überlebenskampf gegen die Großindustrie
kam gerade dem Gasmotor die Funktion eines Rettungsankers für das
Kleingewerbe und den Mittelstand zu. Solche Hoffnungen bestätigten
sich aber nicht, nur ein Viertel der installierten Kapazität kam im Kleingewerbe
zur Anwendung, der Rest in der Industrie. Auf der anderen
Seite standen nicht nur die Groß- und Mittelstädte, sondern auch
Kleinstädte und Gemeinden im Zuge der allgemeinen Daseinsvorsorge
vor der Entscheidung, das Aufgabenfeld "Gasversorgung" ebenso wie
Abwasserbeseitigung, Abfallentsorgung und Wasserversorgung als öffentliche
Einrichtung zu übernehmen. Eng mit dem Anspruch der Daseinsvorsorge
verbunden spielten auch sozialpolitische Zielsetzungen
eine Rolle. Die Preispolitik, Ausnahmeregelungen bei der Gebührenzahlung,
die Gebührengestaltung sowie die Quersubventionierung anschlussschwacher
durch anschlussstarke Ortsteile ermöglichte den
kommunalen Verwaltungen, auf ärmere Bevölkerungskreise Rücksicht
zu nehmen. Bestimmte Gaswerke gingen deshalb dazu über, einen
Gaspreis zu verlangen, der gerade die Kostendeckung, aber keine Gewinnerziclung
erlaubte. Nicht vergessen werden darf auch die beschäftigungspolitische
Bedeutung der kommunalen Gaswerke. Wie kaum ein
anderer Versorgungsbereich bot die Gasversorgung somit einen Ansatzpunkt,
kommunalwirtschaftliche und sozialpolitische Zielsetzungen
zu verbinden. Gerade für die kleinen Gemeinden bildete sie zudem einen
sichtbaren Ausdruck des Aufbruchs in die Moderne, mit der
Gemeindeverwaltung, Staat und Einwohnerschaft große Hoffnungen
verbanden. Die Schilderung der Eröffnungsfeierlichkeiten des lllinger
Gaswerks am 1. Oktober 1910 lässt ein Stück dieser Hoffnung erkennen:
"Gelegentlich der Einweihung des hiesigen neu errichteten Gaswerks war am verflossenen
Sonntag Nachmittag ein seltenes Schauspiel wohl das erste in seiner Art
im Kreis Neunkirchen gu sehen. Der Uuft-Ballon "Saar" der Sektion Saar-Mosel
wurde aufgelassen. Nachdem die Vorbereitungen unter Ilingugiehen einer Abteilung
der hiesigen freiwilligen Feuerwehr getroffen und der Ballon am Gaswerke gefüllt
war, bestiegen um halb 2 Uhr Brauereibesit^er Anton Pies, dessen Bruder
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