Vordringen der elektrischen Beleuchtung aufhalten. Im Gegensatz zum
elektrischen Licht, das infolge der hohen Erzeugungskosten anfangs
nur wenig Verbreitung fand, galt das Gaslicht als "das Ucht des kleinen
Mannes" Dem Gasglühlicht im Haushaltsbereich entsprach als wesentliche
technische Neuerung für den öffentlichen Bereich die Gasdruckfernzündung.
Um auch in diesem Bereich die Expansion der
Elektrizität zu verhindern, verfielen Techniker auf die Idee, sämtliche
Gaslaternen einer Ortschaft von einer zentralen Stelle aus an- und abzuschalten.
Neben der eigentlichen Gasersparnis - die Laternen
brauchten jetzt erst bei eintretender Dunkelheit angezündet zu werden -
konnten die Beleuchtungskosten auch deshalb gesenkt werden, weil
nun eben keine Laternenanzünder mehr brachte.202
Konzentrierten sich die angeführten Innovationen auf die Bereiche
Haushalt und Öffentliche Beleuchtung, gewann indes das Gas auch in
der Industrie an Bedeutung. Seit den 80er-Jahren erfolgte die Einführung
des Gasmotors in Gewerbe und Industrie, wo dieser die bis dahin
üblichen Dampfmaschinen ablöste. Ende 1895 erreichte in Deutschland
die Gesamtkapazität der Gasmotoren über 80.000 PS.203
Zur gleichen Zeit versetzte die Kommunalabgabenreform des preußischen
Finanzministers von Miquel aus dem Jahre 1893 die Gemeinden
in die Lage, ihre Einnahmequellen neu zu strukturieren. Danach sollte
die Finanzierung ihrer Aufgaben in erster Linie aus dem Gemeindevermögen,
in zweiter Linie aus Beiträgen und Gebühren und erst in
dritter Linie aus den indirekten und direkten Steuern erfolgen.2114 Auch
wenn die kommunalen Steuern der dominierende Einnahmeposten
blieben, "(so machten diej aus den Überschüssen der städtischen Wirtschaftsbetriebe
in die Stadtkasse fließenden Gewinne allmählich den größten Teil der ordentlichen
Gemeindeeinnahmen nichtsteuerlicher Art aus"V05 Hinzu kam, dass sich
die institutioneilen Rahmenbedingungen für die städtische Kreditaufnahme
verbesserten. Über Sparkassen, Banken und Versicherungsfonds
standen den Gemeinden verschiedene Darlehens- und Zuschussquellen
offen, die es ihnen ermöglichten, die erforderlichen Investitionsmittel
zu günstigen Bedingungen aufzubringen. Gleichzeitig wurden Versorgungsbetriebe
wie die kommunalen Gaswerke aus dem Gesamthaushalt
201 Vgl. Niemann (1897), S. 8; Böhm (1905), S. 241 £; Ahrend (1907); Sander (1914),
S. 38; Braun (1980), S. 2; Ambrosius (1984), S. 43
202 Vgl. Sander (1914), S. 45
203 Vgl. Klein (1921), S. 38; von Ihering (1907)
204 Vgl. Bücher (1898), S. 19; Krabbe (1989), S. 157
205 Krabbe (1989), S. 158
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