Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

punkt  erst  die  Hälfte  der  Hausanschlüsse  fertig  gestellt.  Insbesondere
von  Seiten  der  Gaskommission  warf  man  ihm  Verschwendung,  Lässigkeit
  und  Vertrauensbrüche  vor.  Er  sei  nicht  in  der  Lage,  die  Interessen
der  Gemeinde  zu  vertreten  und  die  Ausweitung  des  Gasabsatzes  zu  garantieren.188
  Als  der  Unternehmer  dann  auch  seinen  Zahlungsverpflichtungen
  nicht  nachkommen  konnte,  weil  er  in  der  Zwischenzeit  in  finanziellen
  Schwierigkeiten  steckte  und  Konkurs  anmelden  musste,  versuchte
  Malstatt-Burbach  den  Vertrag  vorzeitig  zu  lösen.
Anstatt  das  Gaswerk  nun  endgültig  in  kommunale  Hand  zu  überführen,
hielt  die  Verwaltung  nach  einem  neuen  Pächter  Ausschau.  Weil  die
Überschüsse  des  Gaswerks  erheblich  hinter  den  Erwartungen  zurückblieben,
  und  z.B.  im  Rechnungsjahr  1876  den  Einnahmen  von  28.000
Mark  Ausgaben  von  27.000  Mark  gegenüberstanden,  schätzte  die  Stadt
-  Malstatt-Burbach  war  1876  zur  Stadt  ernannt  worden  -  die  Zukunftsperspektiven
  einer  kommunalen  Gasversorgung  eher  pessimistisch
ein.189  Insbesondere  die  Petroleumbeleuchtung,  zu  der  viele  Gaskonsumenten
  aus  Kostengründen  übergingen,  machten  dem  Gaswerk  zu
schaffen;  ab  1876  war  der  Gasabsatz  rückläufig.  Einen  Ausweg  versprach
  sich  die  Stadtverwaltung  nur  von  einer  neuerlichen  Verpachtung,
  wenngleich  durch  ein  überregionales  Versorgungsunternehmen,
die  Thüringer  Gas-Gesellschaft.  Seit  ihrer  Gründung  im  Jahre  1867
hatte  die  Firma  nicht  nur  in  der  Umgebung  ihres  Stammsitzes  in  Gotha,
sondern  auch  in  Ostdeutschland  und  anderen  Teilen  Deutschlands
Gaswerke  aufgekauft  oder  angepachtet.190  Der  am  2.  Oktober  1879
abgeschlossene  Vertrag  sah  zunächst  eine  Laufzeit  von  zehn  Jahren  und
aus  kommunaler  Sicht  günstigere  Pachtbedingungen  vor:  die
Pachtzahlungen  setzten  sich  neben  einer  festen  Komponente  von  9.500
Mark  aus  einer  flexiblen  Komponente  zusammen,  die  sich  einstellte,
wenn  der  jährliche  Gasabsatz  19.000  Kubikmeter  überstieg.191  Insofern
stellte  diese  Regelung  einen  Fortschritt  gegenüber  den  festen
Pachtbeträgen  dar,  die  mit  Hillenbrand  vereinbart  worden  waren.  Am
16. Januar  1883  verlängerte  Malstatt-Burbach  den  Pachtvertrag  auf  25
Jahre,  der  tatsächlich  bis  1904  Bestand  hatte.192

188  StA  Sbr.  MB  1256:  Gaskommission  vom  22.10.1874
1x9  StA  Sbr.  MB  1110:  Bericht  über  den  Stand  der  Gemeindeangelegenheiten  für  das
fahr  1876
190  JfG,  85.  Jg.  (1942),  Heft  47/48,  S.  547  f.
191  StA  Sbr.  MB  128:  Pachtvertrag  vom  17.11.1879
192  StA  Sbr.  MB  331:  Gaswerkskommission  vom  7.2.1887

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