und Benützung der Gasanstalt" verabschiedet hatte, ging das 92.000 Gulden
teuere Gaswerk am 10. Februar 1867 in Betrieb.184
Bis auf weiteres blieb St. Ingbert die einzige Stadt in der Umgegend mit
einem kommunalen Gaswerk. Lediglich die 1874 bereits 12.000 Einwohner
umfassende Industriegemeinde Malstatt-Burbach folgte dem St.
Ingberter Beispiel und errichtete ein gemeindeeigenes Gaswerk.185 Andernfalls
müsse - so der Bürgermeister Meyer - die Gemeinde ihre
Straßen und öffentlichen Plätze einem Privaten unentgeltlich überlassen.
Sie monopolisiere den Privatunternehmer auch, "um auf Kosten der
Gemeinden und aller übrigen Consumenten ein sehr gutes Geschäft %u machen 7186
Nur eine kommunale Einrichtung gewährleiste einen billigen Gaspreis
und sichere nach einer Ubergangsphase eine bedeutende Einnahmequelle.
Obwohl sich der Malstatter Bürgermeister somit als klarer Verfechter
einer kommunalen Lösung zu erkennen gab, traute er der Gemeindeverwaltung
die Betriebsführung für ein Gaswerk in einer solchen Größenordnung
nicht zu. Da die Anlage neben den Privatkonsumenten
noch mehrere große Industriebetriebe versorgen sollte, gehörte sie mit
einer Erzeugungskapazität von 200.000 Kubikmeter jährlich zu den
größten Gaswerken weit und breit. Offensichtlich hielt der Bürgermeister
nur einen Privatunternehmer für fähig, die Auslastung der Kapazitäten
zu erreichen und Überschüsse zu erwirtschaften. Auf der anderen
Seite wollte die Gemeinde das Gaswerk nicht aus der Fland geben
und sich verschiedene Optionen für die Zukunft offen halten. Sie
vergab deshalb Johann Adam Hillenbrand das Gaswerk per Vertrag
vom 26. Mai 1873 für fünf Jahre in Pacht. Der Ingenieur hatte schon
für die Errichtung der Anlage verantwortlich gezeichnet. Der jährliche
Pachtbetrag lag bei sechs Prozent des Anlagekapitals, also etwa 12.200
Schon kurze Zeit nach Inbetriebnahme des Gaswerks am 25. Juli 1874
nahm die Kritik an Hillenbrands Führungsqualitäten und seinem technischen
und kaufmännischen Sachverstand zu. Die Betriebseröffnung
konnte er noch vertragsgemäß einhalten, doch hatte er zu diesem Zeit-184
St. Ingberter Anzeiger vom 9.3.1867; abgedruckt auch in Pfälzische Landesztg.
vom 17.12.1966; Kramer (1925), S. 268; nach Angaben in der Saarländischen Tagesztg.
vom 10.2.1942 lagen die Investitionskosten bei 92.332 Gld., andere Angaben
j an 70.000 Gulden.
Mark.187
186 StA Sbr. MB 1236: Bürgermeistereiversammlung vom 19.4.1873
18 StA Sbr. MB 959: Pachtvertrag mit Hillenbrand
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