zu erwarten war, dass gerade die Unternehmer eine privatwirtschaftliche
Lösung der Gaswerksfrage bevorzugten, ließen sie ciie Frage der
Eigentumsform zunächst offen. Vielmehr beauftragten sie den Ingenieur
Johann Adam Hillenbrand aus Neustadt an der Haardt, genaue
Erhebungen anzustellen sowie einen Kosten- und Amortisationsplan
vorzulegen.180 Hillenbrands Untersuchungen ergaben, dass mit einer
Gesamtabnahme von drei Mio. Kubikfuß gerechnet werden könne,
wovon alleine das Eisenwerk ein Drittel abnehmen wollte. Die Maschinenfabrik
Weyland, Lamarche & Schwarz erklärte sich zur Beteiligung
mit 65, der Bahnhof mit 25 sowie Privatpersonen mit 600 Flammen
bereit. Die Straßenbeleuchtung sollte 90 Flammen umlassen.181 Auf der
Basis dieser fest einplanbaren Abnahme überstiegen die jährlichen Einnahmen
von 11.125 Gulden die Ausgaben von 4.660 Gulden deutlich.
In Anbetracht der positiven Ertragsprognosen entschieden sich der
Stadtrat und "die entsprechende Anzahl von Höchstbesteuerten" für eine
kommunale Lösung. Nicht zuletzt, so der Bürgermeister Wilhelm
Chandon, hätten die Erfahrungen in anderen pfälzischen Städten gezeigt,
"daß sämtliche derartige Unternehmen prosperiren und einen bedeutenden
Gewinn abwerfen".182 Bei der Gasanstalt Frankenthal sei der Gewinn im
vergangenen Geschäftsjahr auf 16 Prozent gestiegen. Zur Erzielung eines
Gewinns sei somit "nichts von Nöthen als ein durchaus geregelter und tüchtiger
Betrieb unter Zugrundelegung und Gestaltung eines richtigen Amortisationsplanes"r.183
Jedoch nicht nur in kommunalwirtschaftlicher, auch in personeller
Hinsicht ging St. Ingbert neue Wege. Da die gesamte hauptamtliche
Verwaltungsebene wie in anderen Städten dieser Größenordnung lediglich
aus einem Polizeikommissar, einem Stadtschreiber und einem
Einnehmer bestand, und selbst der Bürgermeister ehrenamtlich tätig
war, konnte die Leitung eines Gaswerks mit dem vorhandenen Personal
nicht durchgeführt werden. Die Stadt kam deshalb mit Hillenbrand
überein, dass dieser in den drei ersten Betriebsmonaten die Anstalt leiten
sollte. Das ihm zustehende Honorar von 2.000 Gulden wollte die
Stadt zur Sicherheit allerdings erst nach Ablauf eines fahres auszahlen.
Anschließend stellte St. Ingbert einen Gasmeister ein. Nachdem der
Stadtrat am 16. Dezember 1866 einen "örtspolfeibeschluß über Instalirung
180 St. Ingberter Anzeiger vom 13.3.1866; Preiß (1963/64), S. 126
181 StA St. Ingbert: Stadtratssitzung vom 24.4.1866
182 StA St. Ingbert. Stadtratssitzung vom 24.4.1866
18 :> StA St. Ingbert: Stadtratssitzung vom 24.4.1866
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