Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Diskussion.  Zudem  kam  Heinrich  Raupp,  der  1857  das  erste  lokale
Gaswerk  in  der  Region  errichtete,  seine  breite  Erfahrung  zugute.  Er
hatte  sich  zunächst  in  Karlsruhe,  später  auch  in  Baden-Baden,  Freiburg
und  Nürnberg  als  Installateur  für  Gasleitungen  in  öffentlichen  Gebäuden
  (Theater,  Bahnhöfe)  sowie  durch  seine  langwierigen  Auslandsaufenthalte
  in  Frankreich  und  England  einen  Namen  gemacht.1  Verhandlungsgeschick
  erwies  er  dadurch,  dass  er  nicht  nur  ein  Gaswerk
errichten,  sondern  die  gesamten  städtischen  Beleuchtungsprobleme  aui
einen  Schlag  lösen  wollte.  Da  im  Zuge  der  sukzessiven  Stadterweiterung
  auch  die  Beleuchtungskosten  nach  und  nach  anstiegen,  unterblieben
  an  den  meisten  Laternen  die  notwendigen  Reparatur-  und  Erneuerungsarbeiten.
  Gerade  die  älteren  Lampen,  teilweise  schon  über  30
Jahre  in  Betrieb,  erzielten  deshalb  nur  noch  eine  geringe  Lichtausbeute.
Heinrich  Raupp,  mit  den  Verhältnissen  in  St.  Johann  und  Saarbrücken
anscheinend  sehr  gut  vertraut,  bot  beiden  Städten  an,  die  bestehenden
städtischen  Laternen  durch  neue  Gaslampen  zu  ersetzen.  Nach  seinen
Berechnungen  konnten  infolge  der  geringeren  Erzeugungskosten  von
Leuchtgas  gegenüber  Öl  die  Zahl  der  Lampen  um  54  erhöht  werden,
ohne  dass  St.  Johann-Saarbrücken  zusätzliche  Beleuchtungskosten  entstünden.
  Schließlich  zeigte  er  sich  zu  deutlichen  Preisnachlässen  auf
Gas  für  die  öffentliche  Beleuchtung  und  die  städtischen  Anstalten  -
zwei  Taler  pro  Kubikfuß  -  im  Vergleich  zu  den  Privatkonsumenten  -
drei  Taler  pro  Kubikfuß  -  bereit.176  Auf  Basis  dieses  Angebots  stimmten
die  Gemeinderäte  einem  Beleuchtungsvertrag  mit  Raupp  zu,  behielten
sich  aber  vor,  das  Gaswerk  nach  30  Jahren  zu  erwerben.  Das  Gaswerk
Saarbrücken-St.  Johann  nahm  am  1.  Oktober  1857  die  Erzeugung  auf.
Die  Gasanstalt  verfügte  über  fünf  Ofen  mit  insgesamt  21  Retorten,  einen
  Kondensator,  einen  Skrubber  und  zwei  Gasbehälter  mit  12.000
beziehungsweise  22.000  Kubikfuß  Inhalt.  Die  Anlagekosten  beliefen
sich  auf  90.000  Taler.177
Auch  St.  Wendel  zögerte  infolge  seiner  unübersichtlichen  Haushaltsverhältnisse
  die  Entscheidung,  ein  Gaswerk  zu  errichten,  mehrfach  hinaus.
Doch  stand  von  Anfang  an  fest,  dass  die  Stadt  die  notwendigen  Mittel
nicht  aufbringen  konnte.  Seit  St.  Wendel  1834  vom  coburgischen
Fürstentum  Lichtenberg  an  Preußen  überging,  versuchte  die  Verwal-175

  Vgl.  Körting  (1969),  S.  59  ff.
16 StA  Sbr.  AS  559:  Schreiben  Raupp  vom  29.2.1856;  Saar-Ztg.  vom  4.3.1856  und
12.5.1857;  Deutsche  Gemeinde-Ztg.  2.  Jg.  (1863),  Nr.  24,  S.  284
1  JfG,  2.  Jg.  (1859),  Nr.  6;  Statistische  Mittheilungen  (1862),  S.  106  f.;  Schilling
(1868),  S.  293

110
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.