Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

indessen,  den  Gemeindehaushalt  vor  weiteren  Ausgaben  zu  verschonen.

Zudem  belastete  die  Errichtung  eines  Gaswerks  die  Städte  und  Gemeinden
  nicht  nur  mit  den  einmaligen  Investitionskosten,  gerade  der
laufende  Betrieb  und  die  kontinuierliche  Unterhaltung  eines  Gaswerks
brachte  weitreichende  Aufgaben  mit  sich.  Sollte  ein  finanziell  aufwendiges
  Gaswerk  in  einem  angemessenen  Zeitraum  von  zehn  bis  fünfzehn
Jahren  die  Amortisation  erreichen,  stellte  dies  die  Betreiber  vor  eine
Reihe  sowohl  technischer  als  auch  finanzieller  Herausforderungen.
Dazu  zählten  die  Überwachung  der  Betriebseinrichtungen,  der  Ausbau
und  die  Modernisierung  der  Maschinenanlagen  und  des  Leitungsnetzes,
Werbemaßnahmen,  aber  auch  Preispolitik,  Verhandlungen  mit  Großabnehmern,
  Rechnungslegung,  Gebührenstundungen  usw.  im  Rahmen
der  bestehenden  Verwaltung  waren  solche  zusätzliche  Aufgaben  nicht
zu  leisten.
Auch  in  der  Saarregion  gaben  die  dünne  Finanzdecke  der  Gemeinden
und  der  erst  im  Aufbau  begriffene  Verwaltungsapparat  den  Ausschlag,
die  Errichtung  und  den  Betrieb  des  Gaswerks  gerade  in  den  Anfangsjahren
  der  Gasversorgung  an  einen  Privatunternehmer  zu  vergeben.  In
St  Johann  beispielsweise  setzten  sich  die  Gemeindeeinnahmen  in  den
60er-Jahren  in  Höhe  von  ca.  15.000  Talern  hauptsächlich  aus  den  Einnahmen
  aus  dem  Stadtwald  (7.177  Taler),  dem  Schulgeld  (1.063  Taler),
Pachtzahlungen  (1.883  Taler),  dem  Marktstandgeld  (800  Taler),  der
Hundesteuer  (427  Taler)  und  nur  mit  3.506  Talern  aus  der  Gemeindesteuer
  zusammen.  An  Ausgaben  schlugen  neben  dem  Schulwesen
(6.097  Taler),  dem  Bauwesen  (4.151  Taler),  dem  Armenwesen  (2.458
Taler),  Forstsachen  (2.267  Taler)  sowie  dem  Polizeiwesen  (1.821  Taler)
noch  Schuldentilgung  und  Zinsen  (1.830  Taler),  Straßenbeleuchtung
(850  Taler),  Dohlen,  Straßen  und  Brunnen  (987  Taler)  und  die  Verwaltungskosten
  (880  Taler)  besonders  zu  Buche.174  Geht  man  davon
aus,  dass  ein  Gaswerk  in  der  entsprechenden  Größenordnung  ab
60.000 Taler  aufwärts  kostete,  überschritt  diese  Investitionssumme  den
St.  Jobanner  Gemeindehaushalt  um  das  Vierfache.  Selbst  bei  einer  vorsichtigen
  Amortisationsrechnung  schien  den  Verantwortlichen  das  finanzielle
  Risiko  zu  hoch.  Vor  diesem  Hintergrund  stand  auch  in  Saarbrücken-St.
  johann  die  Entscheidung,  ob  ein  Privatunternehmer  oder
die  Gemeinde  selbst  die  Gasanlage  errichten  sollte,  nie  ernsthaft  zur

174 StA  Sbr.  SJ  1205:  Jahresbericht  St.  Johann  pro  1867

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