etwa der Wiebelskircher Bürgermeister Offermann auf den Punkt
brachte - die finanziellen Voraussetzungen für ihre politische Selbständigkeit:
"Andererseits waren die geschaffenen Anlagen neben den von den Einwohnern
dadurch gebotenen Annehmlichkeiten dagu bestimmt, die Gemeinden in den
Besitz von Vermögenswerten gu versetzen, die durch ihre Elrträgnisse nicht nur sich
selbst verzinsen, sondern auch allmählich Ueberschüsse für den Gemeindesäckel abwerfen
sollen, wie Gasanstalt usw“.171 jedoch spielten nicht nur finanzielle,
sondern gleichwohl sozialpolitische Aspekten in solchen Gemeinden
einen wichtigen Anstoß, erstmals zentrale Versorgungseinrichtungen
anzu legen.
in Wiebelskirchen gaben solche sozialpolitischen Erwägungen den Ausschlag,
dass sich die Gemeinde für ein Gaswerk und gegen ein kommunales
Elektrizitätswerk entschied. Da die Ortschaft über einen hohen
Anteil an Berg- und Hüttenarbeitern verfügte, die im Schichtsystem
arbeiteten, wollte ihnen die Gemeindeverwaltung eine Kochgelegenheit
vor der Frühschicht ermöglichen. Der Bürgermeister brachte zu diesem
Zweck im Februar 1902 ein Flugblatt mit der Überschrift "Allgemeine
Erläuterungen über die Kosten der Energie gu Licht-, Heig-, Koch- und
Kraftzwecken mittelst Elektrizität, Petroleum und Gas" in Umlauf.1"2 Steinkohlengas
schnitt dort hinsichtlich Helligkeit, Zeitersparnis und
Kostenbelastung gegenüber Petroleum und Elektrizität besser oder
zumindest nicht schlechter ab. Vor diesem Hintergrund neigte die
Stimmung eindeutig zu Gas; der Rücklauf übertraf die Erwartungen
deutlich, sodass die Rentabilität eines Gaswerks hinreichend gesichert
schien. Am 12. April 1902 beschloss der Gemeinderat einstimmig den
Bau einer Gasanstalt auf eigene Kosten, und gab die Anlage bei der
Berlin-Anhaltische Maschinenbau AG in Auftrag. Das Gaswerk Wiebelskirchen
ging vereinbarungsgemäß am 1. November 1902 in Betrieb.173
Auf Basis der Erfahrungen in der Saarregion lassen sich somit folgende
Entwicklungen verfolgen. Dominierten in den Anfangsjahren auswärtige
Unternehmer die Gasbeleuchtung, sahen sich im Zuge der Verallgemeinerung
des technischen Wissens auch eine wachsende Zahl einheimischer
Firmen in der Lage, örtliche Gaswerke zu gründen. Gegen
Ende des Jahrhunderts gingen die Kommunen von sich aus dazu über,
eine Gasversorgung einzurichten. Widerstände erwuchsen den Kommunen,
wenn sie denn nicht selbst einer lokalen Gasanstalt mit großer
171 Bürgerbuch (1911), S. 76
172 StA Nk. А II Wie 41 b
173 Saar-Blies-Ztg. vom 4.11.1902
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