Parteien zu verteilen.167 Unter insgesamt zwölf Anbietern entschied sich
die Gemeindeverwaltung nach Rücksprache mit dem St. johanner
Gaswerksdirektor, Hugo Tormin, für eine Aufteilung der Arbeiten: Die
Leitungsrohre sollten von der Firma Kölwel aus Zweibrücken verlegt,
die technischen Anlagen von der Firma Gustav Franke aus Bremen
gestellt und die handwerklichen Arbeiten wie Fundamentlegung,
Maurerarbeiten und ähnliches von örtlichen Gewerbebetrieben ausgeführt
werden.168 Nach kurzer Bauzeit ging das Gaswerk Spiesen-Elversberg
am 28. November 1902 in Betrieb.169
Dass die Gaswerke wie in Spiesen und Elversberg aul eine solch breite
Resonanz stießen, hing nicht zuletzt damit zusammen, dass zahlreiche
Ortschaften in unmittelbarer Umgebung von Bergwerken und Hüttenbetrieben
in den letzten Jahrzehnten des 19. jahrhunderts einen rasanten
gesellschaftlichen und sozialen Wandel erlebten. Handelte es sich
bei ihnen noch zur Mitte des Jahrhunderts um reine Bauerndörfer mit
einer überwiegend in der Landwirtschaft, teilweise im Handwerk tätigen
Bevölkerung, fand nun eine steigende Zahl von Arbeitskräften in den
Hütten und Gruben Beschäftigung. Damit änderten sich die Lebensgewohnheiten
im dörflichen Umfeld. Die Schichtarbeit brachte es
mit sich, dass die Arbeiter i.d.R. ihre Wohnungen am frühen Morgen
verlassen mussten und erst spätabends zurückkehrten. Durch den Anschluss
der Ortschaften an das Eisenbahnnetz und später das überörtliche
Straßenbahnnetz erhöhte sich generell die Mobilität der Einwohner,
die Transportdienstleistungen nahmen zu. Mit dem Wandel einher
ging ein rasanter Bevölkerungszuwachs, wobei sich die Einwohnerzahl
innerhalb weniger Jahrzehnte verdoppelte oder gar verdreifachte.1 0
Wie vor ihnen die Städte sahen sich nun auch die Arbeiterdörfer mit
neuen Herausforderungen sanitärer, sozialer und wirtschaftlicher Art
konfrontiert. Kommunale Versorgungseinrichtungen wie die Gas- und
Wasserwerke oder Badeanstalten symbolisierten nicht nur das wachsende
Selbstbewusstsein der Landgemeinden, sie schufen auch - wie es
167 Gde. Spiesen-Elversberg: Gemeinderatssitzung vom 10,3.1902; Specht (1995), S.
317
168 Saar-Blies-Ztg. vom 24.5.1902
161 Saar-Blies-Ztg. vom 28.11.1902: Bekanntmachung: Betriebseröffnung des Gaswerks
Spiesen-Elversberg
170 Beispielsweise verfügte Heiügenwald 1860 über 589, 1875 über 2.097 und 1905
bereits über 4.621 Einwohner, ln Wiebelskirchen wohnten 1867 3.140, 1905 schon
7-77l Einwohner; vgl. Schmitt (1954), S. 57; Hoppstädter (1955), S. 395
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