der verkauften Gasmenge.162 Weil Saarbrücken ein Angebot von Heinrich
Raupp abgelehnt hatte, auch nach dem 1. Oktober 1887 Gas vom
St. johanner Gaswerk zu beziehen, das neue Gaswerk aber erst am 15.
Oktober 1887 fertig gestellt war, musste Saarbrücken für zwei Wochen
ohne Gas auskommen.163 Das Saarbrücker Gaswerk verfügte schließlich
über vier Generatoröfen mit zusammen 20 Retorten, Skrubber,
Reinigungsanlage und zwei Gasbehälter mit 1.000 beziehungsweise
2,000 Kubikmeter Nutzraum. Die tägliche Leistungsfähigkeit lag bei
4.800 Kubikmeter.164
Ebenso wie in Saarbrücken besaß in Spiesen die Entscheidung, ein Gaswerk
zu bauen, einen eindeutig kommunalpolitischen Hintergrund.
Denn sowohl Spiesen, als auch der Nachbarort Elversberg gehörten als
Gemeinden zur Bürgermeisterei Neunkirchen, befanden sich also in
wichtigen Entscheidungsbereichen in unmittelbarer Abhängigkeit von
Neunkirchen. Als sich im Jahre 1901 erstmals die Überlegungen konkretisierten,
Spiesen und Elversberg in einer eigenen Bürgermeisterei
zusammenzufassen, stellte sich zugleich die Frage nach möglichen Einnahmequellen.
Eine Verbesserung der Gemeindefinanzen versprach
sich der Spieser Gemeinderat vor allem von einem kommunalen Gaswerk.
Im Februar 1901 besuchte der Bürgermeister Kiefer deshalb einen
Vortrag in Wiebelskirchen, den ein auswärtiger Referent über die
Frage der Errichtung gemeindeeigener Gaswerke hielt. Zugleich forderte
die Spieser Verwaltung in Sulzbach den Rechnungsabschluss des
dortigen Gaswerks an.165 Weil Spiesen aber Vorsicht walten lassen und
erst die Stimmungslage der Bevölkerung gegenüber einer neumodischen
Gasbeleuchtung testen wollte, entschloss man sich, in beiden Gemeinden
Bürgerversammlungen einzuberufen. Zudem brachte die
Verwaltung eine Interessentenliste in Umlauf, worin sich sowohl zahlreiche
Privathaushalte als auch fast sämtliche Gewerbetreibende mit
fast 900 Flammen eintrugen.166 Auf Basis dieses positiven Meinungsbildes
stimmten beide Gemeinderäte im Februar 1902 in getrennten Abstimmungen
der Errichtung eines gemeinschaftlichen Gaswerks zu. In
einer gemeinsamen Sitzung gründeten die Gemeinderatsvertreter daraufhin
einen Zweckverband und verpflichteten sich, die Kosten des
Baus, aber auch Gewinn und Verlust des Betriebs gleichmäßig auf beide
162 StA Sbr. AS 1918: Stadtverordneten-Versammlung vom 29.9.1887
163 Schneider (1959), S. 92; 125 Jahre Gas (1982), S. 38
164 Schilling (1896), S. 265
165 Gde. Spiesen-Elversberg: Gemeinderatssitzung vom 5.2.1901
166 Saarbrücker Ztg. vom 3.4.1901
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