Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

zu  überbrücken  war,  stellten  sich  technische  Mängel  wie  Druckschwankungen
  oftmals  zunächst  in  Saarbrücken  ein:  "An  solchen  Abenden  namentlich,
  wenn  die  Beleuchtung  der  Stadt  durch  den  gu  erwartenden  Mondschein
gang  ausgesetgt  wird,  tritt  der  Gegensatz  gu  den  hell  erleuchteten  Straßen  St.  Johanns
  schon  grell  hervor.  Auf  Fremde  sowohl  als  Einheimische,  welche  mit  den  leigten
  Bahngügen  hier  ankommen,  macht  es  einen  überaus  üblen  Eindruck,  wenn  dieselben
  in  die  dunkeln  oder  doch  nur  spärlich  beleuchteten  Straßen  hineinkommen"
  A1
Da  die  beiden  Schwesterstädte  seit  1859  eine  getrennte  Verwaltung  besaßen,
  und  sich  ihr  Verhältnis  im  Verlaufe  der  70er  und  80er-Jahre
nicht  nur  über  die  Frage  der  Gasbeleuchtung,  sondern  auch  aufgrund
anderer  kommunalpolitischer  Entscheidungen  zusehends  verschlechterte,
  zeichnete  sich  frühzeitig  ab,  dass  sich  Saarbrücken  auf  alle  Fälle
von  St.  Johann  unabhängig  machen  wollte.  Nicht  zuletzt  erhoffte  sich
die  Stadt  von  einer  eigenständigen  Gasversorgung  eine  zusätzliche  Einnahmequelle.188
  Schon  1879  nahm  die  Verwaltung  erstmals  mit  Heinrich
  Raupp  Kontakt  auf  und  fragte  an,  ob  er  auf  Saarbrücker  Gebiet
ebenfalls  eine  eigene  Gasanstalt  erbauen  wolle.  Diese  Pläne  scheiterten
zunächst  aber  an  der  ungeklärten  Grundstücksfrage.* 159
1886  legte  Raupp  der  Saarbrücker  Stadtverwaltung  einen  Vertrag  vor,
welcher  die  Gaslieferungen  über  den  Ablauf  des  Konzessionsvertrages
1887  hinaus  regeln  sollte.  Da  die  Stadt  St.  Johann  aber  im  Laufe  des
Jahres  von  ihrem  Vorkaufsrecht  des  Raupp'schen  Gaswerks  Gebrauch
machte,  hätte  die  Stadt  Saarbrücken  das  Gas  in  Zukunft  von  der  ungeliebten
  Nachbarstadt  beziehen  müssen.  Der  Bürgermeister  Feldmann
vertrat  deshalb  die  Überzeugung,  dass  Saarbrücken  sein  Gas  unter  erheblich
  günstigeren  Bedingungen  selbst  erzeugen  könnte.160  Die  Gaswerks-Kommission
  und  später  auch  die  Stadtverordnetenversammlung
beauftragten  den  Ingenieur  Kölwel  aus  Zweibrücken  mit  der  Ausarbeitung
  eines  entsprechenden  Planes.161  Die  Anlagekosten  betrugen
145.000 Mark.  Kölwel  wurde  zusätzlich  zum  Bau  auch  der  Betrieb  der
Anlage  für  die  ersten  sechs  Monate  nach  der  Inbetriebnahme  übertragen.
  Er  war  verpflichtet,  sämtliche  Betriebsmaterialien  zu  beschaffen,
Personal  einzustellen  sowie  Gas  mitsamt  den  Nebenprodukten  abzusetzen.
  Im  Gegenzug  erhielt  er  eine  Gewinnbeteiligung  entsprechend

15/  StA  Sbr.  AS  559:  Schreiben  vom  18.8.1871
158  Vgl.  Ruppersberg  (1914),  S.  110
1  89  StA  Sbr.  AS  559:  Schreiben  Raupp  vom  4.10.1879  und  Antwort  vom  14.10.1879
160  StA  Sbr.  AS  1918:  Stadtverordneten-Versammlung  vom  30.12.1886
161  StA  Sbr.  AS  1918:  Sitzungen  vom  19.8.1886,  28.10.1886  und  6.12.1886

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