in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft ein.152 Die Eisengießerei lag nämlich
- was damals durchaus keine Seltenheit war - mitten in einem
Wohngebiet. Nachdem eine gütliche Einigung zwischen den beiden
Parteien im juni des Jahres erfolglos blieb, verweigerte die Königliche
Regierung in Trier wiederum die Genehmigung. Zwar gab die Behörde
den Klägern nicht in allen Punkten Recht, doch war sie mit ihnen der
Auffassung, dass die Entfernung der Wohngebäude von dem zu errichtenden
Gasometer zu gering sei und "übelriechende Ausdünstungen"
nicht zu vermeiden seien.153 Offenbar muss Wilhelm Schulde aber über
gute Verbindungen zum Preußischen Handelsministerium verfügt haben.
Denn nur wenige Monate später, am 26. November 1878, erließ
der Handelsminister in Berlin einen Revisionsbescheid, "wonach die gestellten
Bedingungen aufgehoben werden",154 Sowohl das Retortenhaus als
auch der Gasometer seien mit Löschvorrichtungen zu erreichen. Etwaige
Übelstände, so sie denn tatsächlich auftreten sollten, könnten auf
Verlangen der Polizeibehörde abgestellt werden. Damit konnte der bereits
am 22. Juni 1878 zwischen der Gemeinde Dudweiler und Wilhelm
Schulde abgeschlossene Vertrag in Kraft treten.155 Dann ging alles sehr
schnell, und schon am 11. November 1878 begann die Gasfabrik mit
der Erzeugung. Sie verfügte lediglich über zwei Ofen mit zusammen
drei Retorten und einem Gasbehälter von 200 Kubikmeter Inhalt.156
Ging somit vor allem in den Anfangsjahren der lokalen Gaswirtschaft
die Initiative von Privatunternehmen aus, überwogen ab den 90er-Jähren
diejenigen Fälle, in denen die Kommunalverwaltungen die Notwendigkeit
einer Gasversorgung erkannten. Lediglich Mittelstädte wie
St. Ingbert (1867), Malstatt (1874) und Saarbrücken (1887) erklärten
sich schon vor diesem Zeitpunkt zu einem öffentlichen Engagement
bereit.
In Saarbrücken, das seit 1857 zusammen mit seiner Nachbarstadt St. Johann
über eine private Gasanstalt verfügte, machte sich seit den 70er-Jahren
eine wachsende Unzufriedenheit mit der Gasversorgung aus St.
Johann breit. Da das Gaswerk am nördlichen Ende von St. Johann lag,
und bis zum Stadtrand von Saarbrücken eine relativ große Entfernung
152 Bezverw. Dud. A 317: Beschwerde von 12 Anwohnern vom 4.3.1878
153 Bezverw. Dud. A 317: Entscheidung der Königlichen Regierung vom 13.8.1878
, :i4 Bezverw. Dud. A 317: Bescheid des Ministers für Handel, Gewerbe und Öffentliche
Arbeiten
155 Bezverw. Dud. A: Vertrag vom 22.6.1878; Ruppersberg (1923), S. 91 f.
156 Vgl. Schilling (1896), S. 69
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