Full text : 75 Jahre Saar Ferngas AG

Schulde  orientierte  sich  nach  seinem  Scheitern  in  Sulzbach  ins  bayerische
  Homburg,  einem  regionalen  Bahnknotenpunkt  mit  knapp  2.000
Einwohnern.  Im  Juli  1871  trat  er  mit  einem  "Anerbieten,  die  Beleuchtung
der  öffentlichen  Straßen,  öffentlichen  und  Privatgebäude  gu  übernehmen",  an  die
dortige  Stadtverwaltung  heran.  Diese  zeigte  aber  keinerlei  Interesse:
Angesichts  der  geringen  Bevölkerungszahl  werde  der  Konsum  gering
und  die  Errichtung  einer  Gasanstalt  somit  unrentabel  bleiben.  Zudem
übersteige  der  Preis  des  Gases  den  des  Petroleums  erheblich.143  Auch
zwei  weitere  Eingaben  des  Dudweiler  Unternehmers  scheiterten.  Vor
allem  -  so  der  Stadtrat  in  seiner  Begründung  vom  November  1872  -
müsse  eine  weitere  Belastung  der  Steuerpflichtigen  verhindert  werden,
da  die  Stadtgemeinde  "gur  Bestreitung  ihrer  unabweisliehen  gewöhnlichen  Gemeindebedürfnisse
  hohe  Umlagen  von  den  Steuerpflichtigen"  erhebe.144
Schulde  ließ  sich  jedoch  von  der  ablehnenden  Haltung  des  Stadtrates
nicht  weiter  beeindrucken  und  errichtete  am  Stadtrand  ein  Gaswerk,
von  wo  aus  er  seit  Mitte  Februar  1873  die  Nachbargemeinde  Erbach-Reiskirchen
  sowie  einige  Homburger  Privatkonsumenten  mit  Leuchtgas
versorgte.  Die  Anlage,  die  50.000  Mark  kostete,  verfügte  über  sechs
Retorten,  einen  Skrubber,  zwei  Reiniger  und  einen  Gasbehälter  mit  200
Kubikmeter.  Die  Erzeugung  erreichte  in  den  Anfangsjahren  etwa
70.000 Kubikmeter,  woraus  600  Flammen  gespeist  wurden.145  1876  beschloss
  der  Stadtrat  zwar,  im  Rathaus  die  Gasbeleuchtung  einzuführen
und  zwischen  Bahnhof  und  Innenstadt  drei  Richtungslaternen  aufzustellen,
  doch  hielt  man  ansonsten  an  der  Straßenbeleuchtung  mittels
Petroleumlaternen  fest.  Die  Verwaltung  verzichtete  somit  weiterhin  auf
jegliche  kommunale  Einflussnahme,  die  Gasversorgung  entwickelte
sich  in  den  kommenden  Jahren  zu  einem  ständigen  Zankapfel  in  der
Stadt:  "Die  Unannehmlichkeiten,  die  sich  in  der  Bevölkerung  bald  'geigten,  folgten
auf  dem  Fuß.  ln  vielen  Zuschriften,  im  "Homburger  Angeiger"  veröffentlicht,  wird
fortwährend  Klage  geführt  über  die  gu  hohen  Gaspreise.  Die  Erwiderungen  des  Unternehmers
  Schulde  erklären  die  Ursache  hierfür  in  der  geringen  Zahl  der  Anschlüsse
  und  verwendeten  Brennstellen"'.146
Im  Herbst  1885  richtete  der  Stadtrat  eine  Kommission  aus  acht  Personen
  ein,  die  mit  Wilhelm  Schulde  verhandeln  sollte.  Schon  nach  wenigen
  Wochen  wurden  diese  ergebnislos  abgebrochen,  nachdem  Schulde

143  StA  Hom.:  Stadtratssitzung  vom  18.7.1871;  Stadtwerke  Homburg  (1997),  S.  31
144  StA  Hom.:  Stadtratssitzung  vom  13.11.1872
145  Schilling  (1896),  S.  378
146  Homburger  Ztg.  vom  16./17.5.1942:  Stadt  und  Land  Homburg  in  vergangener
Zeit

101
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.