Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

den  Verhältnisse  am  internationalen  Energiemarkt  dar,115  war  gleichzeitig  aber
genauso  durch  die  bereits  seit  langem  schlechte  Ertragslage  des  saarländischen
Steinkohlenbergbauunternehmens  hervorgerufen.116 *  Sehr  unterschiedliche  Einflüsse
lösten  daraufhin  bei  den  Saarbergwerken  eine  Strategie  aus,  die  auf  eine  Expansion
des  Unternehmens  in  bergbauffemde  Bereiche  aus  Kostengründen  zunächst  noch
verzichtete  und  statt  dessen  lieber  die  vertikale  Integration  des  Unternehmens  förderte."
  Allerdings  weist  die  strukturelle  Entwicklung  der  Saarwirtschaft  auch  auf
grenzraumtypische  und  in  der  regionalspezifischen  Wirtschaftsentwicklung  begründete
  Einflüsse  hin.  Nach  dem  Zweiten  Weltkrieg  war  das  Wiedererstarken  regionaler
Unternehmernetzwerke  im  Eisen-  und  Stahlbereich  durch  die  Sequestrierung  der
Unternehmen  weitgehend  verhindert  worden  -  besonders  deutlich  wird  dies  am  Fall
Röchling  und  im  Bereich  des  Steinkohlenbergbaus  hatte  im  Saarrevier  bekanntlich
von  Beginn  an  der  Staat  eine  dominierende  Rolle,"8  ganz  im  Unterschied  z.B.  zum
weitgehend  privatwirtschaftlich  organisierten  Bergbau  an  der  Ruhr.  Möglicherweise
ist  daher  als  Charakteristikum  der  Saarwirtschaft  eine  hohe  Verantwortlichkeit  und
Interventionstiefe  des  Staates  angesichts  der  durchaus  ähnlich  wie  in  anderen  Regionen
  gelagerten  Probleme  anzunehmen.119

Ansatz:  Delf  Slotta,  Der  Saarbergbau  in  den  Jahren  1955-1957,  Saarbrücken  1985,  sowie  ders.,  Die
Entwicklung  der  Saarbergwerke  AG  in  den  Jahren  1958  bis  1984,  Saarbrücken  1986.  Früher  bereits:
Saarbergwerke  AG  (Hg.),  Zahlen  über  den  Saarbergbau,  Saarbrücken  1971.
1,5  Detailliert  hierzu:  Pretor  u.  Rinn,  Bergbau,  S.  128ff.  Eine  wichtige  Grundlage  nationaler  Energiepolitik
bildete  das  auf  Beschluß  des  Bundestags  erarbeitete  Gutachten  der  Arbeitsgemeinschaft  deutscher
wirtschaftswissenschaftlicher  Forschungsinstitute  e.V.  (Hg.),  Untersuchung  über  die  Entwicklung  der
gegenwärtigen  und  zukünftigen  Struktur  von  Angebot  und  Nachfrage  in  der  Energiewirtschaft  der
Bundesrepublik  unter  besonderer  Berücksichtigung  des  Steinkohlenbergbaus,  Berlin  1961.  Eine  umfassende
  Einordnung  der  Geschichte  des  Steinkohlenbergbaus  in  die  Energiepolitik  der  Bundesrepublik  findet
sich  in:  Werner  Abelshauser,  Der  Ruhrkohlenbergbau  seit  1945.  Wiederaufbau,  Krise,  Anpassung,
München  1984.
116  Besonders  interessant  ist  die  Sicht  des  Vorstandsvorsitzenden  auf  die  Ertragslage  seines  Unternehmens,
Rolshoven,  Steinkohlenbergbau,  S.  20.
"  Dörrenbächer,  Entwicklung,  S.  206;  Dörrenbächer,  Bierbrauer  u.  Brücher,  Coal  Mining,  S.  210.  Der
hier  verwendete  Begriff  der  „defensiven  Adaption“  als  Bezeichnung  für  die  Unternehmensstrategie  der
Saarbergwerke  AG  zwischen  1957  und  1963  wird  im  folgenden  noch  aufseine  Angemessenheit  zu  prüfen
sein.  Auf  jeden  Fall  ist  es  wichtig,  hier  bereits  zu  betonen,  daß  es  sich  um  eine  aktive,  gezielte  Unternehmenspolitik
  handelte.
118  Emst  Klein,  Der  Staat  als  Unternehmer  im  saarländischen  Steinkohlenbergbau,  in:  Vierteljahrschrift  für
Sozial-  und  Wirtschaftsgeschichte  57  (  1970),  S.  323-349.
119  Dieser  Aspekt  wurde  bislang  bei  praktisch  allen  Untersuchungen  zur  regionalen  Strukturpolitik  im
Saarland  übersehen.  Selbst  in  besonders  aufwendigen  Arbeiten  wie  Hans-Peter  Dietrich  u.a.,  Strukturelle
Anpassung  altindustrieller  Regionen  im  internationalen  Vergleich.  Forschungsvorhaben  im  Auftrag  des
Bundesministers  für  Wirtschaft,  Endbericht,  Hamburg  1989,  S.  91  ff.,  wird  die  Rolle  des  Staates  nur  ganz
am  Rande  gestreift.  Sehr  aufschlußreich  dagegen  ist  das  Beispiel  Lothringens,  vgl.  Nicole  May,  Wandel
der  Region  Lothringen:  Kontinuitäten  und  Brüche,  in:  Heiderose  Kilper  u.  Dieter  Rehfeld  (Hgg.),  Konzern
und  Region.  Zwischen  Rückzug  und  neuer  Integration  -  internationale  vergleichende  Studien  über  Montanund
  Automobilregionen,  Münster  1994,  S.  13-60,  sowie  François  Reitel,  Probleme  des  Strukturwandels  in
den  Montanregionen  Lothringen  und  Nordfrankreich,  in:  Hans  Heinrich  Blotevogel  (Hg.),  Europäische
Regionen  im  Wandel.  Strukturelle  Erneuerung,  Raumordnung  und  Regionalpolitik  im  Europa  der  Regionen,
  Dortmund  1991,  S.  169-178.

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