Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

in  der  Zurückhaltung  mancher  Unternehmer  zu  suchen,  die  damit  rechneten,  daß
bestimmte  Investitionsgüter  nach  der  Eingliederung  bzw.  nach  der  Festlegung  der
Regelungen  der  Übergangszeit  billiger  beschafft  werden  könnten/*  Erhebliche
Anlageinvestitionen  waren  dagegen  im  Bereich  der  eisenschaffenden  Industrie  zu
verzeichnen,  deren  Politik  der  Kapazitätsausweitung  in  längeren  Zyklen  angelegt
war/'  ln  der  Gesamtschau  stellt  sich  damit  die  „Normalität“  als  eine  höchst  ambivalente
  Situation  dar:  Günstige  nationale  und  internationale  Entwicklungen  förderten
auch  die  regionale  Wirtschaft.  Die  Auswirkungen  waren  hier  jedoch  deutlich  abgeschwächt,
  da  die  im  Saarland  besonders  stark  vertretenen  Wirtschaftszweige  in
immer  geringerem  Maße  vom  Wachstum  der  Wirtschaft  insgesamt  profitierten.  Die
positiven  Effekte  in  der  Wirtschaft  des  Saarlandes  waren  trotzdem  großteils  auf
äußere  Einflüsse  zurückzuführen.  Die  eigenen  Wachstumspotentiale  der  Saarwirtschaft
  waren  nahezu  ausgeschöpft,  insbesondere  im  Bereich  des  Arbeits-  und  Kapitalmarktes.
  Über  die  allgemeine  positive  konjunkturelle  Lage  hinaus  griffen  somit  keine
besonderen,  auf  die  Region  zugeschnittenen  Wachstumsimpulse.  Zudem  sicherte  die
Verstärkung  der  Frankreich-Orientierung  der  saarländischen  Wirtschaft  zwar  Wachstumsraten,
  erhöhte  aber  auch  den  Problemdruck  hinsichtlich  der  kommenden  Umorientierung
  der  Wirtschaft.  Trotzdem  griff  -  wie  besonders  an  der  Investitionstätigkeit
  deutlich  wird  -  ein  gewisser  Attentismus  Raum.
2.2 Die  Ausgestaltung  der  Übergangszeit  1957-1959  und  ihre  Bewährungsprobe
2.2.Ì  Die  Saarwirtschaft  im  Übergang?
Nach  der  vorübergehenden  „Normalisierung“  der  ökonomischen  Entwicklung  im
Saarland  hrachte  die  eigentliche  Übergangszeit  bereits  nach  kurzer  Zeit  aufsehenerregende
  Verwerfungen  vor  allem  des  internationalen  Umfelds,  die  im  stark  auf  den
Außenhandel  ausgerichteten  Saarland  uneinheitliche  Impulse  setzten.  Die  konjunkturelle
  Entwicklung  in  Europa  blieb  günstig,  wenn  auch  1958  die  Konjunktur  in
Deutschland  zunächst  schwächelte.58 60  Dies  wurde  jedoch  im  Saarland  durch  günstigere
  Trends  aus  Frankreich  weitgehend  kompensiert.61  Die  günstige  Binnenkonjunktur
  in  Frankreich  war  jedoch  mit  einer  Reihe  von  für  den  Außenhandel  relevanten
Problemen  belastet.  Währungsprobleme,  Preissteigerungen  und  die  daraus  folgende
De-Liberalisierungspolitik  Frankreichs  hatten  durch  die  Außenhandels-  und  Währungsmaßnahmen
  des  Jahres  1957  schockartige  Auswirkung.  Im  Saarland  trat  zu¬58
  Stat.  Amt  d.  Saarl.  (Hg.),  Saarländische  Bevölkerungs-  und  Wirtschaftszahlen  8  (1956),  S.  101.  Einen
Überblick  über  die  Investitionspolitik  der  saarländischen  Stahlindustrie  bietet  die  Datensammlung:
Fachverband  der  Weiterverarbeitenden  Eisen-  und  Metallindustrie  des  Saarlandes  (Hg.),  Zehn  Jahre
Fachverband  der  Weiterverarbeitenden  Eisen-  und  Metallindustrie  des  Saarlandes.  Schaubilder  zur
wirtschaftlichen  Entwicklung  1948-1957,  Saarbrücken  1958.
54 Stat.  Amt  d.  Saarl.  (Hg.),  Saarländische  Bevölkerungs-  und  Wirtschaftszahlen  8  (  1956),  S.  46.
60  Vgl.  hierzu  den  Jahresrückblick  in:  Landesbank  und  Girozentrale  Saar  (Hg.),  Wirtschaftsberichte  1958,
Saarbrücken  1958,  H.  3.
61  Stat.  Amt  d.  Saarl.  (Hg.),  Saarländische  Bevölkerungs-  und  Wirtschaftszahlen  11/12  (1959/60),  S.  43
und  S.  314.

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