und das Eingliederungsgesetz geprägt waren. Die Wirksamkeit der dort erarbeiteten
Maßnahmen stellte aus Sicht vieler an den Verhandlungen beteiligter Experten und
Politiker aufgrund der Entwicklungskraft des Saarlandes quasi nur noch eine logische
Konsequenz dar. Diese Sichtweise war - positiv gesprochen - von großem Vertrauen
in die Entwicklungspotentiale der Saarwirtschaft und in die Macht und Funktionsfähigkeit
bestimmter, von Saarländern selber steuerbarer Organisationen und Institutionen
gekennzeichnet. Die Saarwirtschaft und ihre Vertreter, vor allem die IHK,
aber auch die sich bereits abzeichnenden neuen Organe der Kreditwirtschaft sowie
besonders die neuen Saarbergwerke, in denen nun erstmals das Saarland selber
direkte und umfangreiche Mitbestimmungsrechte besaß, dienten sozusagen als
institutionelle Garantie für den Erfolg der wirtschaftlichen Eingliederung.4 Negativ
gesprochen wohnte dieser Sichtweise insofern ein strukturkonservativer Aspekt inne,
als sich z.B. im Bereich der Montanwirtschaft die bereits in den Saarverhandlungen
angelegte Konzentration der saarländischen Wirtschaftspolitik auf die strukturpolitische
Bedeutung der neu zu gründenden Saarbergwerke verstärkte. Der allgemein
erhoffte Erfolg der Wirtschaftspolitik trat damit in eine noch engere Beziehung
zur ökonomischen Entwicklung des Montankerns.
2.1.3 Die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 1956 als ambivalente „Normalität''
Welche Wirkung hatten nun die in teilweise hektischen, auf jeden Fall aber intensiv
geführten Debatten um die zur Neuordnung der saarländischen Verhältnisse vereinbarten
Maßnahmen? Bereits ein erster Blick auf die Konjunkturdaten zeigt eine
überraschend „normale“ Entwicklung der Wirtschaft im Laufe des Jahres 1956. Diese
ist zum Teil damit zu erklären, daß die Volksabstimmung in wirtschaftlicher Hinsicht
kaum unmittelbare Auswirkungen gehabt hatte. Auch die Sofortmaßnahmen, wie z.B.
die Zollffeiheit für manche saarländischen Exportgüter, wurden nämlich erst spät im
Jahr in Kraft gesetzt. Ein weiterer Grund lag in der stark auf außenwirtschaftliche
Tätigkeit ausgerichteten Wirtschaftsstruktur des Landes.4* Dadurch war die Saarwirtschaft
stark von internationalen Konjunkturentwicklungen abhängig, wobei diese
Dependenz sich aufgrund des regionalen Übergewichts von Kohle-, Eisen- und Stahl-47
Es wäre um einiges zu kurz gegriffen, diesen „Eingliederungsoptimismus“ allein auf Seiten der Wirtschaft
festzumachen; ein ebenso überzeugendes Beispiel ist beispielsweise der Artikel von Heinz K.
Grössle, Die saarländische Industrie im deutschen Wirtschaftsraum. Eine Prüfung ihrer Möglichkeiten
nach der Eingliederung in die westdeutsche Wirtschaft, in: Die Arbeitskammer. Zeitschrift der Arbeitskammer
des Saarlandes 4 (1956), S. 281-283. Als wahrscheinlicher ist anzunehmen, daß es sich bei diesen
Projektionen zumindest teilweise auch um eine spezielle Form der Verarbeitung der grundlegenden
Infragestellung der regionalen Zukunft im Abstimmungskampf vor dem 23. Oktober 1955 handelte.
48 Dieser Aspekt hatte die zeitgenössische Diskussion bereits seit Beginn der Auseinandersetzung um die
nationale Zugehörigkeit des Saarlandes genauso wie in der Diskussion um einen den wirtschaftlichen
Erfordernissen angemessenen Status des Saargebiets beschäftigt. Insbesondere die IHK und ihre Analysten
betonten praktisch durchgängig diesen Aspekt, der auch in einer Reihe von halboffiziellen (Selbst-)Darstellungen
des Landes nach dem Referendum immer wieder hervorgehoben wurde. Vgl. Peter Weiant, Die
Wirtschaftsbeziehungen Saar-Frankreich, in: Eduard Dietrich (Hg.), Saarland, S. 52-58; Eduard Dietrich,
Die Saar als Ein- und Ausfuhrland, ebd., S. 36-45.
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