Das saarländische Kabinett sah sich bereits Anfang des Jahres 1956 mit Stellungnahmen
und Gutachten von Interessenverbänden konfrontiert, welche die möglichen
Folgen einer ungünstigen Regelung dieser Frage aufzeigten.156 Auch der zuständige
Minister Adolf Blind legte seine Position bereits sehr früh fest. Schon am 6. Januar
1956 argumentierte er auf Basis der Erfahrungen vergangener Währungsumstellungen
für eine Umrechnung der Frankenwährung nach einem Kurs, welcher der
Kaufkraftparität entsprechen sollte.1' Dem stand die von Beginn an harte Haltung der
Vertreter Frankreichs gegenüber, die unter keinen Umständen einer anderen Regelung
als der einer Umstellung nach einem „offiziellen“ Wechselkurs zuzustimmen
bereit waren. 158
Der Wendepunkt zur Lösung der Währungsfrage scheint Anfang Juli 1956 eingetreten
zu sein. Die deutsche Delegation erhielt erst kurz vor einer neuerlichen Verhandlungsrunde
eine Vorlage von Staatssekretär Hallstein, die Entgegenkommen in dieser
Frage ermöglichte.1""' Auf jeden Fall veränderte sich ab diesem Zeitpunkt die saarländische
Verhandlungsposition, insofern nun die Verschiebung der Festlegung des
Umrechnungskurses zur zentralen saarländischen Forderung erhoben wurde. Unklar
bleibt nach Lage der Quellen, warum sich die Saar-Regierung in dieser Frage nicht
schon bereits viel früher und nachdrücklicher in die Verhandlungen eingebracht hat.
Möglicherweise schätzte man diese Frage als letztlich eher für die bundesdeutsche
Seite bedeutend ein; vielleicht vertraute man aber auch darauf, daß im Falle eines
Entgegenkommens gegenüber Frankreich entsprechende Ausgleichsmaßnahmen
zugunsten der Saar getroffen würden. Für beides finden sich Indizien in einer Stellungnahme
des saarländischen Finanzministers vom Ende des Monats August.160
Hierin definierte Adolf Blind auf Basis einer „wissenschaftlichen Untersuchung“161
die Grundlinien der saarländischen Position. Diese Stellungnahme wurde zwar von
der deutschen Delegation unverändert als Verhandlungsposition akzeptiert,162 fand
aber offenbar keinerlei positives Echo bei der französischen Delegation, Diese hatte
Hentschel, Zwischen Zahlungsunfähigkeit und Konvertibilität. Frankreich und Deutschland in der
Europäischen Zahlungsunion, in: Andreas Wilkens (Hg.), Die deutsch-französischen Wirtschaftsbeziehungen
1945-1960. Les relations économiques franco-allemandes 1945-1960, Sigmaringen 1997 (= Beihefte
der Francia 42), S. 101-134.
ii6 LASB StK Kabinettsregistratur, Anlage MW, Ministerium für Wirtschaft, Akten Blind, Schreiben des
Gesamtverbandes des Saarländischen Großhandels e.V. v. 30.1.56 mit sehr instruktiven Beispielrechnungen.
LASB StK Kabinettsregistratur, Anlage MW, Ministerium für Wirtschaft, Akten Blind, Rede Blinds v.
6.1.56,
Zuletzt nochmal in aller Schärfe in: LASB StK 1714, Kabinettsprotokoll v. 2.7.56.
159 LASB StK 1714, Kabinettsprotokoll v. 3.7.56. Im Gegensatz dazu sieht Blind den Wendepunkt in
seinen Erinnerungen früher, möglicherweise sogar schon in der Konferenz der Regierungschefs im Juni
1956, vgl. Blind, Unruhige Jahre, Bd. 2 S. 197. Cahn dagegen glaubt, daß diese Frage bis Ende September
noch offen gehalten worden ist, vgl. Cahn, Second retour, S. 104ff.
160 LASB AA 438, Stellungnahme des Finanzministeriums v, 27.8.56.
161 LASB StK 1714, Kabinettsprotokoll v. 1.9.56.
I6: LASB StK 1714, Kabinettsprotokoll v. 7.9.56.
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