einseitige Begünstigungen der deutschen Seite gegenüber der Saarwirtschaft, wie z.B.
die Aufhebung der Importzölle für bestimmte Produkte, zu verhindern.* 148 Im Gegenzug
war die deutsche Delegation immer weniger bereit, für die Erweiterung der
saarländischen Einfuhr- und Ausfuhrkontingente Zugeständnisse in anderen Gebieten
an Frankreich zu machen.144 151 Es scheint zwischen den in diesen Fragen teilweise
bereits seit Jahren verhandelnden Expertengremien geradezu zu einem Kleinkrieg
über Detailfragen gekommen zu sein.1'"'0 Gemeinsam engagierte man sich hauptsächlich
für weitreichende Importmöglichkeiten für Investitionsgüter sowie die Neugestaltung
des Niederlassungsrechtes und des saarländischen Banken- und Versicherungswesens.1"1
Der Verhandlungsspielraum war allerdings in diesem Bereich nicht
zuletzt durch die jeweiligen nationalen Gesetzgebungen stark eingeschränkt, was
denkbare Sonderregimes für das Saarland von vornherein unmöglich machte.152
Letztlich scheint der endgültige Durchbruch bei den Verhandlungen hierzu dann am
11 ./12. September 1956 bei einer Konferenz der Staatssekretäre erzielt worden zu
sein, in deren Verlauf die Frage der Einfuhrmöglichkeiten von Investitionsgütern
und in deren Gefolge dann die Banken-Frage geklärt werden konnte.1"4 Mindestens
genauso schwierig gestalteten sich die Verhandlungen auch in der Währungsfrage.1’'"
Paris die Saar-Regierung davon in Kenntnis setzte, daß eine direkte Einigung mit dem Leiter der Abteilung
Deutschland und Saar im französischen Wirtschaftsministerium, Mettetal, an dessen grundsätzlichen
Bedenken in bezug auf die französische Außenhandelsentwicklung gescheitert sei. Eine Einigung sei
allenfalls auf Basis der offiziellen Verhandlungen möglich und erfordere zudem die Intervention der
französischen Botschaft in Deutschland.
l4S LASB AA 434, Vermerk v. 10.7.56. Grundsätzlich ausgeräumt wurde dieses Problem anscheinend erst
durch die Besprechung der Staatssekretäre am 17.7,56, vgl. LASB AA 229, Telegramm Hallstein an
Bundesfmanzministerium v. 18.7.56.
144 Sehr deutlich in: LASB AA 429, ungezeichneter Vermerk v. 25.7.56 zu den Expertenverhandlungen.
150 Vgl. beispielsweise LASB AA 434, Vermerk v. 10.7.56, sow'ie die sporadisch in den Akten auftauchenden,
ganze Aktenordner füllenden Entwürfe für Einfuhr- oder Ausfuhrlisten.
151 Sehr exakt analysiert in der Sitzung des saarländischen Kabinetts in Bonn, vgl. hierzu LASB StK 1714,
Kabinettsprotokoll v. 7.9.56. Bei der Vorbereitung der Ratifizierungsdebatte im Bundestag am 5.12.56
wertete Lahr es als Erfolg, daß die Einfuhr von Investitionsgütern immerhin für Großprojekte gesichert
werden konnte, vgl. Hölscher (Bearb.), Auswärtiger Ausschuß, Dok. 67, S. 1479.
152 Sehr instruktiv in dieser Hinsicht ist das Scheitern der französischen Delegation bei dem Versuch, eine
von der deutschen Lesart abweichende Interpretation der Konferenz der Regierungschefs durchzusetzen.
Die eilige Reaktion der saarländischen Vertreter diesbezüglich war eigentlich nicht nötig, LASB StK 1714,
Kabinettsprotokoll v. 2.7.56.
153 LASB StK 1714, Kabinettsprotokoll v. 14.9.56. Eine detaillierte Übersicht der Regelungen im einzelnen
sowie ihrer praktischen Umsetzung liefert Erich Conrad, Auswirkungen, S. 66-136 und S. 207-212,
mit Betonung auf den bürokratischen und „psychologischen“ Schwierigkeiten. Die Frage der Wirksamkeit
dieses Instruments wird an anderer Stelle in dieser Arbeit noch zu erörtern sein.
134 LASB AA 438, Fernschreiben Dr. Schreihage (saarl. Wirtschaftsministerium, Arbeitsausschuß Kreditinstitute
und Versicherungen) an Bundeswirtschaftsministerium v. 14.9.56. Detailliert hierzu die Dissertation
von Weidig, Geldwesen; Manfred Pohl, Die Geschichte der Saarländischen Kreditbank Aktiengesellschaft,
Saarbrücken 1972 (= Veröffentlichungen der Kommission für saarländische Landesgeschichte und
Volksforschung 5), hier: S. 125-140; Wilhelm Vogel, Der Bankplatz Saarbrücken. Unter wechselvollen
Währungsverhältnissen, in: Sparkasse Saarbrücken (Hg.), Saarbrücken - Wirtschaftszentrum an der
Grenze, Saarbrücken I960, S. 129-167, hier: S. 154-162.
155 Zur Frage nach der Bedeutung von Währungsfragen im deutsch-französischen Verhältnis: Volker
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