führen. Dabei wirkte die Zuspitzung der Auseinandersetzung auf dem Niveau aligemeinpolitischer
Fragen besonders im Umfeld des Kommunalwahlkampfs vom Mai
1956 negativ auf die Handlungsmöglichkeiten der Saar-Regierung. Je deutlicher diese
in der innersaarländischen Diskussion entlang der Frontstellungen des Abstimmungskampfes
argumentierte, um so weniger konnte sie einen konstruktiven Beitrag zur
Lösung der Verhandlungsgegenstände leisten und um so mehr brachte sie den innersaarländischen
Konsens in Gefahr.
1.2.2 Die Konferenz der Regierungschefs und das ,, stumpfe Ende“
Das mit großem Aufwand öffentlich inszenierte deutsch-französische Gipfeltreffen
am 4. Juni 1956 brachte demgegenüber nach Wahrnehmung der Presse einen überraschend
deutlichen Fortschritt.I,s Insbesondere die bis dato wohl umstrittensten
Punkte, nämlich die Moselkanalisierung, die Regelung der Warndtfrage und die
Festlegung der Eingliederungstermine, galten seitdem als einvernehmlich gelöst.
Diese öffentliche Wahrnehmung stimmt zwar nur teilweise mit den aus den Akten
rekonstruierbaren Verhandlungsvorgängen überein,1111 die öffentliche Präsentation des
Verhandlungserfolgs der Regierungschefs vergrößerte aber den Einigungsdruck auf
die Delegationen.i:(l Suggestiv wirkte der offiziell verkündete Abschluß der Gespräche
nicht nur auf internationaler Ebene,118 121 sondern auch innenpolitisch auf die Parteien
in der Bundesrepublik. Deutlich wird dies insbesondere an der Meinungsfindung
der bundesdeutschen SPD zum Fortgang der Saarverhandlungen, die den Zustimmungs-
und Konsensdruck hinsichtlich früher noch heftig umstrittener Einzelfragen
belegt.122
118 Einen Überblick über die Reaktionen der nationalen und internationalen Presse auf den Gipfel bietet:
Cahn. Second retour, S. 99, Auch im Saarland fand diese Perspektive Niederschlag in der Berichterstattung,
vgl. bspw. Anton Hoffmann, Das neue Saarabkommen. Eine kurze Betrachtung zum Luxemburger
Saarabkommen, in: Die Arbeitskammer. Zeitschrift der Arbeitskammer des Saarlandes 4 (1956), S.
181-183. Um einiges skeptischer betrachtete man den Gipfel jedoch bereits wenig später: Peter Weiant,
Wunsch und Wirklichkeit, in: Mitteilungen der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes 13 (1957),
S. 176-180.
14 Völlig anders hierzu Lappenküper, Deutsch-französische Beziehungen, S. 1130: „Den ersehnten
Durchbruch erbrachte erst das Treffen der beiden Regierungschefs Adenauer und Mollet am 4.6. in
Luxemburg.“ Über die bereits erwähnten Punkte hinaus werden an dieser Stelle aber keine weiteren
Erfolge genannt, die eine so positive Einschätzung des Regierungsgipfels rechtfertigen würden. Vielmehr
geht auch Lappenküper recht ausführlich auf die nach der Einigung der Regierungschefs noch notwendigen,
umfangreichen Sachverhandlungen ein, Lappenküper, Deutsch-französische Beziehungen,
S. 1 133-1 135. Deutlich vorsichtiger urteilt Ludw in Vogel, Integrationspolitik, S. 274ff., der zwar einerseits
die positiven Reaktionen der zeitgenössischen Öffentlichkeit zitiert, aber gleichzeitig betont, daß die
Ergebnisse des Gipfels selbst in der Frage des Moselkanals „noch einiges offen ließen“.
120 Sehr deutlich formulierte schon Rolf Lahr: „Unsere Regierungen haben uns zur Einigung verurteilt.“,
Lahr, Zeuge, S. 247.
121 Cahn, Second retour, S. 104ff.
123 Vgl. hierzu Cahn, Quatrième République, S. 253ff. Bereits am 9.5.56 hatte von Brentano vor dem
Auswärtigen Ausschuß des Bundestags Wert auf die Feststellung gelegt, daß die erhoffte Einigung der
Regierungschefs einerseits kein ratifzierungsbedürftiges Präjudiz darstelle, daß der Ausschuß aber
andererseits bereits vorab über die Grundlinien der Einigung informiert werde, um aus den Unterschieden
zwischen den Parteien in der sachlichen Bewertung der Regelung resultierende Kontroversen in der
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