Full text: Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

tig, daß der saarländische Wunsch nach vorausgehender Klärung der sachlichen 
Einzeltragen unter direkter Beteiligung der Saarvertreter nicht mehr berücksichtigt 
wurde.104 
Den Durchbruch in den bisher verhärteten Fronten brachten die Verhandlungen der 
Staatssekretäre im Mai 1956. Hier wirkte bereits der erhöhte Einigungsdruck durch 
die für Anfang Juni angekündigte Konferenz der Regierungschefs.10" Insbesondere in 
der Frage der Ausgestaltung der Übergangszeit, aber durchaus auch in den bislang so 
problematischen Fragen von Moselkanal und Warndtregelung näherten sich die 
beiden Verhandlungspartner weitgehend an.10'1 Diesem Einvernehmen lag jedoch - 
wie sich besonders deutlich an der Frage der Übergangszeit zeigen läßt - kein Ein¬ 
vernehmen über konkrete Detailregelungen und vor allem kein prinzipieller Konsens 
über die Funktion dieser Vertragsbestandteile zugrunde: Keines der bislang vor¬ 
getragenen Konzepte, sei es „Übergangszeit als Schutzphase der saarländischen 
Wirtschaft in der Umstellungsphase vor der deutschen Konkurrenz“,10 sei es „Über¬ 
gangszeit als Periode der Vorbereitung der Wirtschaft auf die Verhältnisse in 
Deutschland“1 (IS oder „Übergangszeit als Schutzphase für französische Wirtschafts¬ 
interessen an der Saar“,109 wurde als verbindlich fixiert - was sicherlich nicht nur 
darauf zurückzuführen ist, daß diese Konzepte widersprüchlich waren, sondern daß 
auch innerhalb der Delegationen offenbar keine Einigkeit in dieser Frage herrschte. 
Dementsprechend gestaltete sich die Direktive für die weiteren Gespräche gerade in 
dieser Frage sehr differenziert, indem sie eine Fülle von Einzelregelungen den Exper¬ 
ten zur Verhandlung übergab.110 Eine überraschende Wende deutete sich dagegen 
durch die französische Forderung nach Aufnahme kultureller Bestimmungen sowie 
von Schutzbestimmungen für Personen in den Saarvertrag an."1 Erstere war spä¬ 
testens am 21. Februar 1956 von deutscher Seite als nicht akzeptabel bezeichnet 
worden, wenn diese Frage auch in den damaligen Verhandlungen nicht vertieft 
worden war.112 Auch in bezug auf die Schutzbestimmungen waren bereits früh 
104 LASB StK 1713, Kabinettsprotokoll v. 8.5.56. 
105 LASB AA 436, Bericht Hallsteins v. 17.5.56. Es wird eine Äußerung eines Vier-Augen-Gesprächs der 
Staatssekretäre zitiert: „Man dürfe keineswegs erwarten, daß Herr Adenauer und Herr Mollet die Arbeit 
abnehmen würden.“ 
106 Zum Umfang der in diesen Verhandlungen angenäherten Standpunkte: Lappenküper, 
Deutsch-französische Beziehungen, S. 1129. Auch nach dieser Darstellung erscheint Lappenküpers 
anschließende Bewertung der Verhandlungsrunde als „völliger Mißerfolg“ (ebd., S. 1130) wenig plausibel. 
107 So Ney in seiner Rede noch im April 1956, LASB AA 436, Redemanuskript Ney v. 27.4.56. Sehr 
deutlich äußerte sich auch Adolf Blind in einer Besprechung mit von Brentano, LASB AA 436, Vermerk 
v. 20.2.56. 
;i)K Die Übergangszeit dient dazu, „die Anpassung der Saarwirtschaft an das Endstadium vorzubereiten und 
soweit wie möglich bereits zu verwirklichen“, LASB AA 436, Memorandum der deutschen Delegation v. 
26.2.56. 
109 LASB AA 436, Gegenüberstellung der Verhandlungspositionen v. 27.6.56. 
110 LASB AA 436, Verhandlungsdirektive v. 18.5.56. 
111 LASB AA 436, Bericht Hallsteins v. 17.5.56. 
112 LASB AA 436, Vermerk v. 21.2.56. 
56
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.