Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

Weiterentwicklung  der  saarländischen  Position  entscheidende  Gestaltungselemente
für  die  folgenden  Verhandlungen  ab.  Die  saarländischen  Vertreter  hatten  die  ihnen
quasi  nur  zur  Kenntnis  gebrachte  Ausweitung  der  Verhandlungsgegenstände  auf
generell  alle  zwischen  Deutschland  und  Frankreich  strittigen  Punkte  zu  akzeptieren,
insbesondere  die  Moselfrage.  Gleichermaßen  anerkannt  wurde  das  Prinzip  zweiseitiger
  Verhandlungen  unter  nur  indirekter  Beteiligung  saarländischer  Repräsentanten  als
Experten  der  deutschen  Delegation.  Schließlich  wurde  auch  die  einstweilige  Ausklammerung
  der  Frage  nach  den  politischen  Schutzbestimmungen7’  bzw.  deren
Regelung  in  Form  eines  Amnestiegesetzes  sowie  die  generelle  Ausklammerung  der
weiteren  Ausgestaltung  der  kulturellen  Beziehungen  zwischen  dem  Saarland  und
Frankreich  ebenfalls  von  saarländischer  Seite  angenommen.* 74 75  Währendessen  nahm
jedoch  ein  auf  saarländischer  Seite  gebildeter  Lenkungsausschuß  für  die  Verhandlungen
  bzw.  die  angegliederten  Expertengremien  der  einzelnen  Ressorts  seine  Arbeit
auf.  Namentlich  in  bezug  auf  die  Verkehrsproblematik,  das  Banken-  und  Versicherungswesen
  1  und  die  Warndtfrage76 77  erfolgten  anscheinend  umfangreiche  Konsultationen
  zwischen  bundesdeutschen  und  saarländischen  Vertretern.  Gleichzeitig  setzte
auch  eine  umfangreiche  Lobby-Arbeit  verschiedener  saarländischer  Verbände  und
Institutionen  ein,  die  versuchten,  ihre  jeweils  besondere  Sichtweise  zu  Einzelfragen
in  der  Regierungsarbeit  einzubringen.
überraschend  schlechten  Start  in  die  Verhandlungen,  Cahn,  Second  retour,  S.  96.  Adolf  Blind  teilt  in
seinen  Erinnerungen  diese  negative  Einschätzung,  betont  aber  gleichzeitig  die  klar  fixierte  Verhandlungslinie
  der  Saarländer,  die  in  dieser  Phase  daran  arbeiteten,  bereits  während  der  vergangenen  Konventionsverhandlungen
  erhobene  Forderungen  endlich  durchzusetzen  und  weitergehende  Zugeständnisse  so  weit
als  möglich  zu  vermeiden,  Blind,  Unruhige  Jahre,  Bd.  2  S.  107.
73  Zu  klären  war,  wie  die  Rechte  von  Personen  -  unter  anderem  französischer  Staatsbürger  -,  die  aus
politischen  Gründen  mit  den  Heimatbund  Vertretern  in  Konflikt  geraten  waren  oder  welche  die  sich
abzeichnende  Veränderung  der  politischen  Situation  im  Saarland  nicht  akzeptieren  wollten,  geschützt
werden  konnten.  Zu  dem  Personenkreis  zählten  auch  Bedienstete  bei  französischen  Einrichtungen,  wie
z.B.  bei  der  Mission  diplomatique,  die  im  Jahr  1959  in  den  saarländischen  Landesdienst  übernommen
w  urden,  LASB  StK  1721,  Kabinettsprotokoll  v.  23.5.59.  Die  Rechte  der  Betroffenen  waren  im  Umfeld  des
Referendums  durch  die  WEU-Kommission  garantiert,  in  Anlage  1  des  Saarvertrags  w'urde  eine  Anschlußregelung
  vereinbart.
74  LASB  AA  436,  Besprechungsvermerk  v.  20.2.56,  und  LASB  A  A  436,  Besprechungsvermerk  v.  21.2.56.
75  LASB  AA  438,  Vermerk  v.  Februar  56;  LASB  StK  Kabinettsregistratur,  Anlage  MW  Ministerium  Für
Finanzen,  Akten  Blind,  Besprech  ungsprotokoll  v.  2.2.56.
76  LASB  StK  Kabinettsregistratur,  Anlage  MW  Ministerium  für  Finanzen,  Akten  Blind,  Expertengutachten
zur  Wamdtfrage  und  zu  den  Saarbergwerken  v.  Februar  56.
77  LASB  StK  Kabinettsregistratur,  Anlage  MW  Ministerium  fur  Finanzen,  Akten  Blind,  Schreiben  des
Gesamtverbandes  des  Saarländischen  Großhandels  e.V.  an  Blind  v.  30.1.56  mit  umfangreichen  Einlassungen
  zu  Detailfragen  der  Währungsumstellung  und  der  zu  erwartenden  Bilanzprobleme.  LASB  StK
Kabinettsregistratur,  Anlage  MW  Kabinettsvorlage  Wirtschaftsministerium,  Schreiben  der  Arbeitsgemeinschaft
  Saarländischer  Filmtheater  e.V.  und  des  Verbands  der  Lichtspieltheater-Unternehmer  des  Saarlandes
  v.  11.2.56  zu  Details  der  unterschiedlichen  Steuerbelastung  im  Saarland  im  Vergleich  zu  Deutschland.
  LASB  StK  1245.  Memorandum  des  Saarländischen  Bauernvereins  e.V.  v.  22.2.56  „Forderungen  der
Landwirtschaft  des  Saarlandes“  zu  Wettbewerbsnachteilen  durch  die  zu  erwartenden  Neuregelungen.
LASB  AA  432,  Memorandum  der  Chambre  Syndicale  de  la  Sidérurgie  de  la  Sarre  v.  2.3.56  mit  detaillierten
  Forderungen  zur  Verbesserung  der  Transportkostensituation  und  zum  Ausgleich  der  erwarteten
Wettbewerbsnachteile  durch  den  Moselkanal.

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