Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

Nach  dieser  Besprechung  erfolgte  die  weitere  Ausgestaltung  der  saarländischen
Positionen  zumindest  teilweise  in  engerer  Abstimmung  zwischen  Bonner  und  Saarbrücker
  Ministerien.  Unter  den  konkreten  Sachforderungen  tritt  besonders  die  Arbeit
an  einem  Konzept  zur  Verbesserung  der  saarländischen  Verkehrssituation  hervor.48
Teilweise  sogar  in  Kenntnisnahme  der  Vorlagen  der  Bonner  Ministerien  wurden  auch
andere  Detailprobleme  erörtert,  so  z.B.  bestimmte  Aspekte  der  juristischen  Probleme
der  Eingliederung.49  Eindeutig  legte  sich  die  Landesregierung  auf  die  Forderung  nach
einer  Verbesserung  der  saarländischen  Rechtssituation  im  Warndt  fest.50 51  In  bezug  auf
die  grundsätzlichen  Fragen  der  Verhandlungsführung  war  man  aber  bereit,  sich  der
von  deutscher  Seite  vorgeschlagenen  Verhandlungsstrategie  zu  beugen.  Zwar  blieb
man  bei  der  prinzipiellen  Gliederung  der  saarländischen  Forderungen  nach  Blinds
dreistufigem  Modell  zur  Eingliederung,"  Priorität  genoß  jedoch  die  Durchsetzbarkeit
der  eigenen  Wünsche  gegenüber  Frankreich.  Was  dies  bedeuten  konnte,  zeigt  sich
besonders  deutlich  am  Beispiel  der  Kanalfrage.  Der  Bau  eines  Saar-Pfalz-Kanals
wurde  am  17.  Januar  1956  auf  Expertenebene  der  Verkehrsministerien  und  unter
Beteiligung  von  Wirtschaftsminister  Eugen  Huthmacher  „mit  den  für  die  Saar  günstigen
  Auswirkungen  erörtert“.  Angesichts  der  ungünstigen  Prognose  über  die  Wirtschaftlichkeit
  des  Kanals,  die  dessen  Realisierung  fraglich  erscheinen  ließ,  wurde  das
Thema  jedoch  sofort  wieder  von  der  Tagesordnung  der  Konferenz  gestrichen.  Diese
war  nämlich  dazu  bestimmt,  eine  Sammlung  von  Materialien  zu  erarbeiten,  mit  denen
man  den  Wünschen  Frankreichs  „begegnen  zu  können“  hoffte.52 *  Die  Idee,  den
Saar-Pfalz-Kanal  als  Gegenstück  zu  der  französischen  Forderung  nach  Kanalisierung
der  Mosel  zu  positionieren,  war  damit  gescheitert.  Bereits  einen  Tag  später  erklärte
das  Bundesverkehrsministerium  in  einem  Memorandum,  daß  den  französischen
Forderungen  „kein  deutscher  Wunsch  entgegengestellt  werden  [kann],  der  auch  nur
annähernd  ein  solches  wirtschaftliches  und  politisches  Gewicht  hat“,54  womit  der

Erfahrungen  bei  der  Frage  der  zollfreien  Einfuhr  saarländischer  Erzeugnisse  nach  Deutschland  hin,  bei  der
nach  einer  „voreiligen  Behandlung  in  der  saarländischen  Presse“  Frankreich  nun  „eine  weitere  Behandlung
der  Frage  ablehne“.
48  Besonders  zu  nennen  ist  die  Forderung  nach  dem  Bau  der  Autobahn  Saarbrücken-Mannheim  und  nach
der  Elektrifizierung  des  saarländischen  Eisenbahnnetzes,  LASB  StK  1712,  Kabinettsprotokoll  v.  16.1.56.
49  LASB  AA  433  Brief  Bundesjustizminister  an  AA  v.  21.1.56  -  es  handelt  sich  um  eine  21  seitige  (!)
Darstellung  juristischer  Einzelprobleme;  zu  sozialen  Fragen:  LASB  AA  435,  Protokoll  der  Sitzung  des
Arbeitsausschuß  VII  v.  30.1.56;  zum  Bereich  des  Innenministeriums:  LASB  AA  433,  Brief  (Dr.  Füßlein)
an  Bundesinnenministerium  v.  31.1.56;  zu  Zollfragen  LASB  AA  437,  Stellungnahme  des  Bundesfinanzministeriums
  „zu  Einzelfragen  der  Rückgliederung  des  Saarlandes“  v.  30.1.56,  die  Bezug  nimmt  auf  eine
frühere  Stellungnahme  vom  23.12.55  (!).
50  Hierbei  griff  die  Saar-Regierung  die  -  bereits  in  den  Konflikten  während  der  Teilautonomie  entwickelte  -
Grundlinie  auf,  daß  die  Regelung  der  Warndtfrage  es  dem  saarländischen  Bergbau  erlauben  müsse,  mit
neuen  Schachtanlagen  die  Kohlevorräte  im  Warndt  in  eigener  Regie  auszubeuten.  Vgl.  hierzu  die  umfangreiche
  Materialsammlung  in  LASB  StK  Kabinettsregistratur,  Anlage  MW  Ministerium  für  Finanzen,
Akten  Blind,  Dossiers  zur  Wamdtfrage  v.  Februar  1956.
51  LASB  StK  1712,  Kabinettsprotokoll  v.  16.1.56.
52  LASB  AA  432,  Besprechungsprotokoll  v.  17.1.56.
LASB  AA  432,  Memorandum  v.  18.1.56.

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