Fortführung der saarländischen Position bei den Konventionsverhandlungen der
Vergangenheit40 wurde besonders die Forderung nach Zollerleichterungen im Warenverkehr
mit Deutschland, nach besseren Importmöglichkeiten für Investitionsgüter
und nach einem Ausgleich der als benachteiligend eingeschätzten Wechselkurse erhoben.
Ergänzt w urde dies um ein dreistufiges Konzept für die Eingliederung, das aus
Sofortmaßnahmen, einer Übergangszeit und einer Endregelung bestand.41 Schließlich
forderte die saarländische Seite Soforthilfen der Bundesrepublik für den Landeshaushalt
bei der Auflösung der haushaltstechnischen Bindung an Frankreich.42 Früh
erfolgte auch - hier in enger Abstimmung mit Bonn - die Formulierung des saarländischen
Standpunkts zur Frage der Neuregelung des Banken-, Kredit- und Versicherungswesens.43
In Fragen grundsätzlicher Bedeutung konnten die saarländischen Vertreter jedoch zu
diesem Zeitpunkt die mittlerweile zwischen der Bundesrepublik und Frankreich
bereits getroffenen Vereinbarungen nur noch zur Kenntnis nehmen. Besonders
deutlich wurde dies in einer ersten hochkarätig besetzten Vorbesprechung zwischen
Deutschen und Saarländern am 13. Januar 1956.44 Der deutsche Außenminister sagte
dabei die Prüfung und ggf. auch die Durchführung der von saarländischer Seite
geforderten Sofortmaßnahmen zu, ohne daß diese allerdings diskutiert worden wären.
40 Vgl. Blind, Unruhige Jahre, Bd. 2 S. 107ff.
41 Hierbei plädierte der Minister für eine ausreichend lange Übergangszeit von ca. drei Jahren, um allzu
heftige Friktionen, insbesondere bei der Währungsumstellung und der Angleichung von Löhnen und
Gehältern, zu verhindern. Aber auch das Problem der unterschiedlichen Kostenbelastung der Unternehmen
in den verschiedenen Wirtschaftsräumen sowie der nur schrittweise möglichen Entflechtung der saarländischen
Wirtschaft mit dem Frankenraum wurde als Argument angeführt.
4~ LASB StK Kabinettsregistratur, Anlage MW, Ministerium für Finanzen, Akten Blind, Rede Blinds „Zur
Frage der wirtschaftlichen Eingliederung der Saar in die Bundesrepublik unter besonderer Berücksichtigung
der Angleichung der Arbeits- und Lebensbedingungen“, 6.1.56. In den frühen Skizzen zur Festlegung
der saarländischen Position traten immer wieder Argumente auf, die bereits in der Diskussion um die
Ausgestaltung der Teilautonomie eine Rolle gespielt hatten und die nun auf die neue Situation angewendet
wurden. Dabei spielten nicht nur die durch Adolf Blind repräsentierte personelle Kontinuität auf'Seiten der
saarländischen Politik eine Rolle, sondern auch institutionelle Kontinuitäten, v.a. durch die Industrie- und
Handelskammer (IHK) des Saarlandes, die bereits früher Konzepte für die Etablierung gleichartiger
Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland und Frankreich erarbeitet hatte, vgl. Industrie- und Handelskammer
des Saarlandes (Hg.), Saarwirtschaft und Europäisierung des Saarlandes. Eine Stellungnahme der
Industrie- und Handelskammer des Saarlandes, Saarbrücken 1953. Zum nach der Auflösung der „Dreiervertretungen“
entwickelten Selbstverständnis der IHK als „Träger des Rückgliederungsgedankens“ vgl.
Peter Weiant, Sonderstellung der Industrie- und Handelskammer des Saarlandes, in: Eduard Dietrich
(Hg.), Saarland, S. 59-61, hier: S. 59. Allgemein zur Bedeutung der Kammern in der Außenwirtschaftspolitik
der frühen Bundesrepublik: Hanno Sowade, Wegbereiter des Wiederaufstiegs. Die Industrie- und
Handelskammern und die Rekonstruktion der Aussenbeziehungen der westdeutschen Wirtschaft
1945-1949/50, München 1992.
43 Vgl. hierzu das Exposée „Wirtschaftliche Probleme der Saarverhandlungen“, LASB StK Kabinettsregistratur,
Anlage MW, Ministerium für Finanzen, Akten Blind v. 10.1.56. Hier ist die Rede von „drei
[gemeinsamen] Besprechungen“.
44 Mit Minister von Brentano, Staatssekretär Hallstein und dem späteren Delegationsleiter bei den Saarverhandlungen
Rolf Lahr auf deutscher sowie auf saarländischer Seite mit Ministerpräsident Ney,
Finanzminister Blind und dem Leiter der Staatskanzlei Lorscheider waren die wichtigsten Persönlichkeiten
der Verhandlungen beteiligt. LASB AA 436, Besprechungsvermerk v. 13.1.56.
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