und wirtschaftlichen Strukturen bewältigt. Auch viele Sondereinflüsse auf die und
regionalspezifische Charakteristika in der Landespolitik, die teilweise weit in die
Nachkriegszeit wiesen, konnten erst gegen Ende der 60er Jahre entweder außer
Funktion gesetzt oder durch die bundesdeutschen Entsprechungen ersetzt werden.
Dies gilt auch für das Parteiensystem, in dem nun die nach dem Referendum und bis
in die 60er Jahre hinein wirkende Zersplitterung durch regionalspezifische Sonderparteien
abgelöst wurde. Das Ausscheiden der DPS als liberaler Partei bei den Landtagswahlen
von 1970 ging sogar über diesen Anpassungsprozeß hinaus.
* * *
Der Abschluß des doppelten Strukturwandels zu Ende der 60er Jahre verdeutlicht
aber auch, daß es sich bei der Eingliederung des Saarlandes in die Bundesrepublik
eindeutig nicht um einen Vorgang der Übertragung statischer Konzepte handelte; der
Aspekt struktureller Konvergenz beschreibt nur einen geringen Teil der in der Region
zu lösenden Aufgaben. Zu leisten war vielmehr die regionalspezifische Adaptierung
bundesdeutscher und die Entwicklung neuer, eigener Konzepte, die gegenüber den
besonderen Aufgaben, die sich aus den speziellen Vorbedingungen für regionale
Politik ergaben, als angemessen einzuschätzen waren. Die Frage nach dem Beitrag
der Landespolitik - oder auch ganz allgemein nach dem Beitrag des Föderalismus -
zur Lösung der aus dem wirtschaftlichen Strukturwandel entstehenden Aufgaben ist
daher zumindest im saarländischen Fall nur teilweise richtig formuliert. Die Landespolitik
der Jahre 1956 bis 1970 war nicht nur Subjekt, sondern in weiten Teilen
auch Objekt des Strukturwandels. Der Erker’schen Hypothese von der Veränderung
politischer Herrschaftsstrukturen durch die ökonomischen Wandlungsprozesse in den
60er Jahren ist insoweit zuzustimmen. Ähnlich wie in der Teilautonomie wurden in
der föderal gegliederten politischen Landschaft der Bundesrepublik säkulare Trends
wirtschaftlicher Entwicklung auf eine bestimmte Weise zum Problem der Landespolitik.
ln der Verarbeitung dieser Probleme entwickelte sich die Landespolitik in den
60er Jahren zur Regionalpolitik bundesdeutschen Typs. Die Grundlage dieser Vorgänge
bildete die Verwendung eines speziellen räumlichen Codes zur gesellschaftlichen
Verarbeitung von Problemen. Raumabstraktionen wurden genutzt, um Übereinstimmung
in der Beurteilung von Problemen struktureller Natur herzustellen und so
einen politischen Lösungsprozeß zu ermöglichen. Besonders deutlich wurde dies
bereits früh im Gutachterstreit, ebenso klar trat dieser Zug in den programmatischen
Texten im Umfeld der Wirtschaftskrise hervor, die, als regionale Krise perzipiert,
eine Erneuerung der Landespolitik auslöste. Anstatt nach dem Ende des Saarstaates
an Gewicht zu verlieren, gewann das Saarland so als Raumsymbol mit der Zeit immer
mehr an Bedeutung. Den bundesdeutschen Föderalismus zeichnet insofern besonders
sein leistungsfähiger räumlicher Code aus. Möglicherweise war das andernorts
überrascht festgestellte Wiederaufleben regionaler Bewegungen in den 60er Jahren
insoweit in der Bundesrepublik genauso wie im schon seit dem Zweiten Weltkrieg
teilautonomen Saarland vorweggenommen.