und zog sie auch mittelfristig in Mitleidenschaft. Dagegen entwickelten sich diejenigen
Kreise, in denen die Strukturverhesserung weiter fortgeschritten war, auch in der
Krise sehr viel günstiger. Indessen erwies sich in der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung
die bereits früher erworbene Erfahrung, daß das insgesamt einseitig und
ungünstig strukturierte Land von positiven Einflüssen der nationalen Wirtschaftsentwicklung
weniger stark, von negativen dafür um so stärker berührt wurde, erneut
als richtig.
Der regionalspezifische Verlauf der Wirtschaftskrise beeinflußte deren Perzeption
durch die Landespolitik. Bereits während der Übergangszeit war die politische
Auseinandersetzung über die als notwendig angesehenen Anpassungsleistungen in
Politik und Wirtschaft in einer mit historischen Argumenten geführten Debatte
erfolgt. Damals spielte die Phase der Teilautonomie und die Bewertung der in dieser
Zeit realisierten Politik die wichtigste Rolle. Besonders aufschlußreich für den dabei
festzustellenden Perspektivenwechsel ist der Vergleich der in diesen Debatten vorgenommenen
Periodisierungsversuche: Wurde zunächst das Referendum des Jahres
1955 als der entscheidende Wendepunkt in der Saargeschichte angesehen, traten
später der Regierungsgipfel vom Juni 1956, die Verabschiedung des Eingliederungsgesetzes,
die W'ährungsgarantie für saarländische Sparer oder auch der Tag der
wirtschaftlichen Eingliederung an diese Stelle. Alternative Formen der Rückbindung
von Landespolitik, wie z.B. die Legitimierung politischer Initiativen durch den
Rückgriff auf Expertenwissen oder auf wissenschaftlich-technische Erkenntnisse
waren demgegenüber schwer durchzusetzen. Noch in der Übergangszeit hatte vor
allem die SPD-Führung einen derartigen Versuch unternommen, als sie sich in den
zwischen den anderen Fraktionen teilweise leidenschaftlich geführten Debatten über
die Teilautonomie besonders stark als vor allem durch ihre Sachkompetenz in der
Sozialpolitik ausgezeichnete politische Kraft zu profilieren suchte. Damit konnten
zwar die nach der früh erfolgten organisatorischen Vereinigung mit der SPS auf das
Innenverhältnis übertragenen Grundsatzkonflikte kanalisiert werden, nach außen hin
übernahm sie als langjährige Regierungspartei aber sogar Mitverantwortung für das
Scheitern bestimmter Ziele im Zuge der Eingliederung. Ähnliches gilt für die frühen
60er Jahre, als die Partei ihre besonders moderne, auf den Einsatz planerischer, innovativer
und wissenschaftlich abgesicherter regionalpolitischer Instrumente ausgerichtete
Politik nicht in entsprechende Wahlerfolge umsetzen konnte. Genausowenig
konnte auch die DPS, deren Saarbrücker Oberbürgermeister in dieser Zeit mit seiner
auf eine grundlegende Reform der Kommunalpolitik ausgerichteten Politik erhebliche
öffentliche Aufmerksamkeit erhielt, diesen Ansatz zur Verbesserung oder wenigstens
Stabilisierung ihrer Wahlergebnisse verwenden: Nicht einmal in der Stadt Saarbrücken
selber konnte sie ihre frühere Machtstellung halten.
Um so fataler wirkte sich die regionale Wirtschaftskrise der Jahre 1966/67 auf die
Position des Ministerpräsidenten aus, der seine erste Regierungserklärung nach der
Landtagswahl von 1965 auf der autoritativ formulierten Feststellung aufgebaut hatte,
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