Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

de!“  faßbaren  regionalpolitischen  Anpassungsdruck,  ln  der  dadurch  ausgelösten,
weitgefächerten  Debatte  über  Grundfragen  der  Landespolitik  konnten  in  Feldern  wie
der  verkehrspolitischen  Standortdebatte,  dem  regionalwissenschaftlichen  Gutachterstreit
  oder  der  unternehmenspolitischen  Kohledebatte  durchaus  gewisse  Fortschritte
und  Teillösungen  erreicht  werden.  Insgesamt  konnte  jedoch  kein  Konsens  über
Reichweite  und  Umfang  der  vorzunehmenden  Strukturveränderungen  hergestellt
werden.  Selbst  innerhalb  der  in  dieser  Hinsicht  sehr  progressiven  SPD  tauchten
immer  wieder  Widersprüche  und  Zweifel  an  dem  von  ihr  frühzeitig  postulierten
Konzept  der  „Umstrukturierung“  auf;  politisch  durchsetzen  konnte  sie  ihr  Konzept  bis
zur  Mitte  des  Jahrzehnts  nicht,  und  zwar  weder  in  den  politischen  Debatten  noch
beim  Wähler.  Die  schärfsten  Widerstände  erfuhr  ihr  Kurs  durch  Teile  der  CDU,  und
hier  insbesondere  aus  dem  Wirtschaftsministerium,  das  auf  die  Erfolge  seiner  leicht
modifiziert  fortgesetzten  traditionellen  Politik  verweisen  konnte.  Insgesamt  setzten
sich  überwiegend  diejenigen  Kräfte  durch,  die  den  ohnehin  schon  als  problematisch
empfundenen  wirtschaftsstrukturellen  Anpassungsprozeß  nicht  weiter  als  unbedingt
nötig  mit  politischen  Risiken  belasten  wollten.  Die  durch  das  Referendum  ausgelöste
Herausforderung  des  doppelten  Strukturwandels  wurde  nur  teilweise  bewältigt.
*  *  *
Einen  klaren  Blick  auf  die  bis  zur  Mitte  der  60er  Jahre  erzielten  Fortschritte  im
doppelten  Strukturwandel  erlaubt  die  Wirtschaftskrise  der  Jahre  1966/67.  Nachdem
gerade  rechtzeitig  zu  den  Landtagswahlen  des  Jahres  1965  positive  Impulse  der
Konjunktur  in  Westdeutschland  und  Europa  eine  auch  zahlenmäßig  günstige  Entwicklung
  im  Saarland  bewirkt  hatten,  die  die  Tauglichkeit  der  in  der  ersten  Hälfte  des
Jahrzehnts  erneuerten  Regionalpolitik  zu  beweisen  schien,  stellte  der  Einbruch  vieler
Wirtschaftsdaten  nun  die  Landespolitik  vor  neue  Probleme.  Zwar  war  ein  Rückgang
der  Wachstumsraten  auf  nationaler  Ebene  einerseits  anhand  bestimmter  volkswirtschaftlicher
  Faktoren  wie  z.B.  der  Investitionsneigung  absehbar  gewesen  und  aufgrund
  der  „Überhitzung“  der  Konjunktur  in  den  Jahren  vorher  in  nationaler  Perspektive
  durchaus  auch  nicht  kontraproduktiv.  Die  Zuspitzung  dieser  Entwicklung  zu
einer  Krise,  die  sogar  ein  vorübergehendes  Sinken  der  Wirtschaftsleistung  mit  sich
brachte,  konnte  zudem  mit  guten  Argumenten  auf  bestimmte  ordnungspolitische
Entscheidungen  wie  die  Einführung  der  Kuponsteuer  und  eine  veränderte  Kapitalmarktpolitik
  zurückgeführt  werden.  Als  regionale  Krise  verdeutlichte  die  ökonomische
  Entwicklung  dieser  Jahre  aber  doch  auch  regionalspezifische  Besonderheiten
der  strukturellen  Anpassung.  Besonders  hervorzuheben  ist  dabei,  daß  diejenigen
montan-fremden  Unternehmen,  deren  Ansiedlung  und  Förderung  in  der  Vergangenheit
  Gegenstand  politischer  Bemühungen  gewesen  war,  die  ihnen  zugedachte  Funktion
  einer  Immunisierung  der  Region  gegen  konjunkturelle  Schwankungen  zumindest
teilweise  übernehmen  konnten.  Der  besonders  heftige  und  frühzeitige  Einbruch  der
Montanindustrie,  und  hierbei  insbesondere  der  Steinkohlenwirtschaft,  traf  die  überwiegend
  von  diesen  Sektoren  geprägten  Landkreise  des  Saarlandes  besonders  heftig

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