saarländische Unternehmen ausbleibenden Einfluß der speziellen Wirtschaftsgeschichte
des Saarlandes zwischen Deutschland und Frankreich. Soweit also mit dem
„Nein“ im Referendum der Wunsch verbunden war, die ökonomische Zukunft des
Saarlandes langfristig zu sichern, waren auf diesem Weg bis zur Mitte der 60er Jahre
durchaus Erfolge zu verzeichnen. Ein Niedergang ganzer Branchen und ökonomische
oder demographische Entleerungsprozesse der Region oder Teile von ihr blieben aus.
Die Industrie war weiterhin wichtigster Arbeitgeber, auch wenn durch den Arbeitsplatzabbau
im Bergbau die Beschäftigtenzahlen insgesamt stagnierten. Daher kann
von einer Deindustrialisierung keine Rede sein, wurden durch die wirtschaftsstrukturellen
Maßnahmen doch sogar ganz neue Teile des Landes und auch neue Bevölkerungsschichten
dem industriellen Arbeits- und Lebensrhythmus unterzogen.
Zu Anfang der 60er Jahre trafen Probleme, die teilweise in der Übergangszeit anzusiedeln
waren, teilweise aber auch auf noch unbewältigte ältere Phasen des Strukturwandels
zurückzuflihren waren, auf neue Schwierigkeiten, die zum Teil durch die
sektoralen Anpassungszwänge in der Energiewirtschaft ausgelöst wurden, zum Teil
aber auch aus der mit der Eingliederung verbundenen Anpassung an bundesdeutsche
Verfahren und Instrumente der Regionalpolitik resultierten. Die Debatte um die Neufassung
der juristischen und administrativen Grundlagen von Raumordnung und
Landesplanung spiegelte diese komplexe Problemstellung wider: Das unter den
speziellen Bedingungen des Wiederaufbaus und seinen Anforderungen an die Strukturpolitik
in der Nachkriegszeit hierzu entwickelte Konzept - und vor allem die
daraus abgeleitete Entscheidungspraxis - hatte schon vor dem Referendum massive
Kritik hervorgerufen, weil es von vielen Einflüssen der speziellen politischen und
wirtschaftlichen Bedingungen der Teilautonomie geprägt war. Trotzdem rückte
während der Übergangszeit die Neufassung anderer Poiitikbereiche in den Vordergrund.
Danach wirkte die Neufassung der entsprechenden Rahmenregelungen auf
Bundesebene zwar begünstigend auf die saarländische Diskussion; ihre konzeptionellen
Grundlagen waren jedoch ebenfalls in dynamischer Entwicklung begriffen und
den speziellen Problemen eines hochindustrialisierten, aber dennoch von gravierenden
strukturellen Defiziten geprägten Industriegebietes nicht angemessen. Zudem
tangierte die Debatte durch ihren Bezug zum fragilen System der Finanzierung der
Kommunen im Saarland, zum politisch sensiblen Bereich des Ausgleichs der Lebensbedingungen
in Stadt und Land sowie zur Bildungspolitik und zur komplizierten
mittelfristigen Restrukturierung des Steinkohlenbergbaus eine ganze Reihe von heftig
umkämpften Politikbereichen.
Diese Problemstellung verdeutlicht, daß der in der Metapher vom „Altern von
Industrieregionen“ beschriebene Zusammenhang zwischen sektoralem Strukturwandel
und Problemen der Regionalpolitik im Saarland besonders komplex strukturiert
war. Die ungünstige Entwicklung der öffentlichen Haushalte entwickelte sich seit
Anfang der 60er Jahre verstärkt zum Krisenindikator und zum - allerdings vergleichsweise
unscharfen - Gradmesser für den unter dem Begriff „regionaler Strukturwan-404