geraten. Politisch wurde dieses Problem zunächst noch mit dem konventionellen
Mittel einer Anpassung des Finanzausgleichs bearbeitet, ln einer als saarländischer
Gutachterstreit geführten intensiven wissenschaftlichen Diskussion über Grundfragen
regionaler Politik im Saarland wurde dann aber die Notwendigkeit einer grundlegenden
Neuorientierung der Landespolitik mit den Instrumenten von Raumordnung und
Landesplanung postuliert. Nur auf diese Weise schien es möglich, die neuen Anforderungen
an die Politik zu bewältigen.
Die landespolitische Diskussion dagegen verlief weniger präzise - wenn auch um
nichts weniger heftig. Die finanzpolitischen Fragen wurden als grundsätzliche Probleme
des föderalen Finanzsystems diskutiert, was kurzfristig die Einwerbung gewisser
Sonderregelungen für das Saarland in Bonn ermöglichte. Diese wurden teilweise noch
in den politischen Mustern der Übergangszeit gegenüber dem Bund und den anderen
Ländern durchgesetzt. Die Debatte darüber zeigt aber auch, daß zusätzlich zu den
neuen Anforderungen aus der sich wandelnden ökonomischen Situation auch bestimmte
Aufgaben, die aus früheren Phasen der Anpassung an strukturelle Veränderungen
stammten, noch nicht vollständig bewältigt waren. Dies gilt insbesondere
im Bildungsbereich, wo die bis an den Beginn des Jahrhunderts zurückreichende
Selbstverpflichtung auf einen Ausgleich der Bildungschancen von Land- und Stadtbevölkerung
immer noch Investitionen erforderte, die Land und Kommunen gleichermaßen
überforderten. Noch sehr viel allgemeiner verlief die Diskussion um die Entwicklung
der gesamtwirtschaftlichen Rahmendaten. Die als Stagnation bzw. Zurückbleiben
gegenüber der Bundesrepublik verstandene Wirtschaftsentwicklung löste
eine Grundsatzdiskussion über das Saarland als Wirtschaftsstandort aus. Den bedeutendsten
Streitpunkt stellte dabei die Forderung nach einer Kanalverbindung zwischen
der Saar und dem Rhein durch die Pfalz, dem Saar-Pfalz-Kanal, dar. Als
Projekt war diese Möglichkeit bereits seit dem 19. Jahrhundert diskutiert worden;
während der Saarverhandlungen des Jahres 1956 war dieses Thema aber nicht an die
erste Stelle gerückt. Dies ist nicht nur auf taktische Unsicherheiten der Saar-Regierung
im Rahmen der Verhandlungen zurückzuführen und auch nicht nur auf die
geringe Bereitschaft der Bundesregierung, neben der sehr bald als notwendiges Zugeständnis
erscheinenden Zustimmung - und Kofinanzierung ! - zur von französischer
Seite gewünschten Kanalisierung der Mosel noch ein weiteres groß dimensioniertes
Verkehrsprojekt zu unterstützen. Ausschlaggebend für den Verzicht der Saarländer
auf die Forderung nach dem Saar-Pfalz-Kanal war wohl, daß innerhalb der Saarwirtschaft
keine Einigkeit darüber herrschte. Die wirtschaftlichen Vor- und Nachteile
dieses Projektes waren nämlich zwischen Kohle und Stahl durchaus ungleich verteilt,
so daß erst Anfang der 60er Jahre eine einheitliche Linie der Befürwortung erreicht
werden konnte. Damit war dieses Thema politisch in höchstem Maße sensibel, stand
doch mit der Frage nach der notwendigen Förderung des Wirtschaftsstandorts auch
die Frage nach der angemessenen Vertretung saarländischer Interessen gegenüber
Bonn ganz allgemein zur Diskussion, wobei alle Beteiligten aufgrund der häufig
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