einer quasi-diplomatischen Vorgehensweise durchzusetzen; dazu griff sie auf spezialisierte
Institutionen und politische Stile, wie z.B. interministerielle Lenkungsausschüsse
und Memoranden, zurück und entwickelte so eine tief in der Phase der
Teilautonomie verankerte Strategie fort. Teilweise konnte sie damit gute Erfolge
erzielen; allerdings förderte diese Strategie eine Konzentration auf ad hoc anstehende
Fragen und ließ vor allem nur diejenigen Lösungskonzepte als sinnvoll erscheinen,
die auf diesem Wege als sicher durchsetzbar anzusehen waren. Auch dadurch wurde
eine grundsätzliche Neuorientierung der Wirtschaftspolitik des Landes nicht gefördert.
* * *
Obwohl also die Ablehnung des europäischen Statuts für das Saarland und der
Saarvertrag markante Einschnitte in der saarländischen Geschichte darstellen, ist über
die Eingliederung hinweg eine starke Kontinuität in den strukturpolitischen Problemen
des Saarlandes ebenso wie in den von der Landespolitik zur Überwindung der
daraus resultierenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten verfolgten Konzepten festzustellen.
Auch entsprachen diese Konzepte in der Übergangszeit nur zu geringen
Teilen den bis dahin in der Bundesrepublik entwickelten Charakteristika des
Bund-Länder-Verhältnisses. Die Eingliederung bewirkte zwar eine mittelfristig
durchgreifende Umorientierung der Saarwirtschaft auf die Bundesrepublik; gegenüber
den akuten, durch die Eingliederung bedingten Problemen entwickelte die
Landespolitik aber Strategien, die überwiegend den Besonderheiten der Übergangszeit
folgten.
Nach der wirtschaftlichen Eingliederung verschlechterten sich viele ökonomische und
politische Rahmenbedingungen im Saarland, so daß das Land in eine mit der Zeit
immer deutlicher erkennbare Stagnationskrise geriet. Nicht nur die wirtschaftlichen
Wachstumsraten blieben hinter dem Bundesdurchschnitt zurück - und vor allem
hinter den an die Eingliederung geknüpften Erwartungen auch die Ansiedlung neuer
Betriebe geriet vorübergehend in die Krise. Gleichzeitig blieben die von den Anpassungsmaßnahmen
im Bergbau erhofften Stabilisierungstendenzen aus. Obwohl die
Rücknahme der Fördermengen und die Rationalisierung der Produktion gemäß den
noch in der Übergangszeit entwickelten Plänen erfolgten, blieb die Ertragslage des
Unternehmens schwach. Zum Teil war dies auf die besonders ungünstige Kosten- und
Sortenstruktur des Saar-Bergbaus zurückzufiihren, zum Teil auch auf den immer
deutlicher werdenden Substitutionswettbewerb mit dem Mineralöl. Vor allem aber
wurde nach dem Ende der eingliederungsbedingten Sondersituation klar, daß die
Einnahmen im Landeshaushalt kaum ausreichten, um die notwendigen Ausgaben zu
tätigen; Investitionen waren selbst per Kredit nicht mehr im als unabdingbar notwendig
erkannten Umfang zu finanzieren. Fast härter noch traf es die Kommunen, die den
Großteil der während der Übergangszeit und danach projektierten Infrastrukturinvestitionen
zu tragen hatten. Insbesondere die Finanzlage der Stadt Saarbrücken
drohte noch Ende der 50er, vor allem zu Anfang der 60er Jahre außer Kontrolle zu
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