der neuen Saarbergwerke AG gekommen war, reagierte das Unternehmen jedoch
umgehend aut' die neuen, durch die Konkurrenz der Übersee-Kohle gewachsenen
Absatzprobleme und legte umfangreiche Stillegungs- und Rationalisierungskonzepte
vor, die die Streichung von mehr als 10.000 Arbeitsplätzen binnen weniger Jahre
vorsahen.
Dieses Restrukturierungskonzept wurde auch eng mit der Landesregierung abgestimmt;
die politische und wirtschaftliche Debatte im und über das Saarland hatte sich
jedoch zwischenzeitlich deutlich verändert. Es mangelte weder in der Politik noch in
den in großer Zahl vorgelegten wissenschaftlichen Gutachten und Forschungsarbeiten
an Stimmen, die für eine Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik plädierten. Die
Grundlage dieser Diskussionsbeiträge bildete die bereits in den Jahren vorher überwiegend
von den Kritikern der mit der politischen Teilautonomie verbundenen
Währungs- und Zollunion mit Frankreich gewonnene Einsicht in die strukturellen
Defizite des saarländischen Wirtschaftsstandorts. Der zur Mitte der 50er Jahre restlos
ausgeschöpfte Markt an (männlichen) Arbeitskräften war demnach als wichtigstes
Hemmnis industriellen Wachstums anzusehen; Investitionsdefizite, eine unzureichende
Infrastruktur und Probleme des Kapitalmarkts taten das übrige: Ein weiteres
überdurchschnittliches Wachstum der Saarwirtschaft wie in den ersten Nachkriegsjahren,
soviel war klar, war innerhalb der gewachsenen Strukturen nicht mehr zu
erwarten. Das Ende des extensiven Wachstums der Region war erreicht; als dringend
nötig erkannt wurden strukturverbessemde Maßnahmen, die durch die Ansiedlung
von Betrieben montanfremder Branchen die traditionelle Einseitigkeit der Wirtschaftsstruktur
beseitigen sollten. Andererseits drängten die durch die Umstellung auf
Deutschland und die Spezialkonstruktion einer wirtschaftlichen Übergangszeit
ausgelösten Probleme die unmittelbaren Folgen der Eingliederung zunehmend in den
Vordergrund der Debatte über die Neuausrichtung der Wirtschaftspolitik. Gegenüber
den Schwankungen und kaum prognostizierbaren Aussichten in anderen Wirtschaftssektoren
verstärkte sich daher die Bedeutung des Montankems als Garant dauerhafter
wirtschaftlicher Prosperität; dies um so mehr, als das Saarland durch seine Beteiligung
an den Saarbergwerken erstmals selber zum Eigentümer „seines“ Bergbaus
wurde und weil die anfangs kritisierten, auf internationaler Ebene vereinbarten
LieferverpRichtungen gegenüber Frankreich in ihrer absatzsichernden Bedeutung
erkannt wurden.
Daher wurde die Lage im Bergbau trotz der verstärkten Absatzprobleme, durch die
sich die schlechte Ertragslage der Saarbergwerke ab 1957 zu einer Rentabilitätskrise
zuspitzte, anfangs nicht von allen Seiten als Problem wahrgenommen. Die Rationalisierungs-
und Modernisierungsmaßnahmen versprachen vielmehr in der Perspektive
vieler, diejenigen Arbeitskräfte freizumachen, die eine auf Ansiedlung von Unternehmen
anderer Branchen hin ausgerichtete Politik mittelfristig dringend benötigte.
Kurzfristig erwartete man eine Kompensationswirkung der Eisen- und Stahlindustrie,
die ebenfalls händeringend Arbeitskräfte suchte. Neue politische Konzepte waren
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