rungsgrundlagen zu gewinnen war. Allenfalls für die Entwicklung der Ausgabenseite
war eine solche Planung teilweise möglich; deren wirtschaftspolitische Bedeutung ist
jedoch angesichts des geringen Ausschnitts der Volkswirtschaft, der durch die saarländische
Finanzpolitik zu beeinflussen war, eher gering anzusetzen.147 149 Immerhin
belasteten die Initiativen zur Überwindung der Probleme im Kohlesektor das Saarland
insofern nicht zusätzlich, als der Bund die vom Saarland zu zahlenden Beträge
übernahm. Die Umsetzung der strukturpolitischen Initiativen erfolgte allerdings
überwiegend dadurch, daß Maßnahmen vorgezogen, auf die strukturpolitischen
Programme hin umgewidmet bzw. über zusätzliche Verschuldung finanziert wurden.
Das Problem, daß das Land durch das finanzielle Engagement des Bundes oder durch
die mit der Neufassung des föderalen Finanzsystems verbundene politische Verflechtung
an Autonomie verlieren könnte, stellte sich im Saarland daher nicht: Insbesondere
auf dem Höhepunkt der Krise bestand das Ziel der Politik eher darin,
Handlungsspielräume zu gewinnen.I4S
Damit war die Krise auch eine Krise teilweise gerade erst erarbeiteter politischer
Stile, ln der Krise differenzierte sich die landespolitische Debatte über den regionalen
Strukturwandel aus, die Krise konkretisierte den Zusammenhang zu einer Vielzahl
von Handlungsfeldem der Landespolitik und erzwang damit einen erweiterten Ansatz
bei der Ausgestaltung der regionalpolitischen Verantwortung des Bundeslandes. Die
saarländische Politik entwickelte z.B. mit der Reform der Kommunalfinanzen und mit
den letztlich von Erfolg gekrönten Versuchen zur Reform der Bildungslandschaff
neue Ansätze. Dabei befand man sich hinsichtlich der Kommunalfinanzen durchaus
auf der „Höhe der Zeit“ der damaligen Reformdiskussionen in Deutschland;144 die
Modernisierung der Bildungspolitik ist dagegen eher am Ende eines Veränderungsprozesses
in ganz Deutschland zu plazieren. Ähnliches gilt auch für die Frage der
Organisation der Politik: Mit Gründung der Industrie-Beratungs- und Finanzierungs-GmbH
auf dem Bankensektor vervollständigte die Regierung die institutionelle
Neuausrichtung der Ansiedlungs- und Modernisierungspolitik. Mit der Planungsgruppe
bzw. dem Strukturreferat im Wirtschaftsministerium, der Gesellschaft für
14 Vgl. hierzu auch Lehmbruch, Parteienwettbewerb, S. 119ff. Die optimistische Einschätzung von Ruck,
Planungsgeschichte, S. 387, der in der „MiFriFi“ immerhin noch eine „mittelfristige Ressourcenplanung“
erkennen zu können glaubt, ist an diesem Punkt zumindest für die Länder zu korrigieren.
148 Dies stellt einen wichtigen Unterschied zu anderen Ländern, darunter auch Nordrhein-Westfalen, dar,
in denen dieser Aspekt bereits früh große Aufmerksamkeit erfuhr. Vgl. hierzu das umfangreiche Gutachten
zu den Veränderungen im föderalen Finanzgefüge von Werner Thieme, Bund und Nordrhein-Westfalen
1949-1975. Analyse und Prognose des Verhältnisses von Bund und Land Nordrhein-Westfalen
1949 bis 1975. Gutachten, 3 Bde. Hamburg 1969, dessen Kurzfassung Thieme, Föderalismus,
bereits zitiert wurde.
149 Einen Vergleich zur ähnlichen Problemstellung in Nordrhein-Westfalen bietet: Hans Boldt, Rahmenbedingungen
nordrhein-westfälischer Politik II: Finanzverteilung und Finanzausgleich in der Bundesrepublik,
in: ders. (Hg.), Nordrhein-Westfalen, S. 78-99; den Überblick über die Diskussion in den Ländern
gewährt Voigt, Finanzausgleich, S. 145; die Auswirkungen der damaligen Reformen auf die gegenwärtige
Rechtslage analysiert Paul Marcus, Das kommunale Finanzsystem der Bundesrepublik Deutschland,
Darmstadt 1987.
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