an die regierungskritischen Einlassungen von Kurt John. Mittelfristig resultierte
daraus eine Stärkung des sozialliberalen Flügels, der in der Folgezeit die Repräsentanten
der früheren bürgerlichen Tradition aus der DPS ablöste.
3.3 Zusammenfassung
An den strukturpolitischen Debatten im saarländischen Landtag und an der Haushaltspolitik
des Landes in der zweiten Hälfte der 60er Jahre wird deutlich, daß die Rede
von „der“ Krise eine problematische Verkürzung eines außerordentlich komplexen
Gemenges von Einzelentwicklungen darstellt. „Die“ Krise war eine höchst unangenehme
Verschlechterung der Absatzbedingungen im Bergbau, die über steigende
Gesamtkosten, durch Feierschichten ausgelöste Lohnausfälle und sinkende Steuereinnahmen
den ganzen Wirtschaftssektor vor umfangreiche Anpassungsschwierigkeiten
stellte. „Die“ Krise war aber auch eine grundlegende Veränderung der Planungsgrundlagen
von Kohlepolitik, die die Entwicklungsstrategie des mit Abstand größten
Arbeitgebers im Saarland gefährdete und national abgestimmte Krisenbewältigungsstrategien
- wie z.B. die Aktionsgemeinschaft deutscher Steinkohlenreviere - erzwang,
obwohl die Landespolitik das Unternehmen ursprünglich zur zentralen Institution
der Strukturveränderung hatte ausbauen wollen.
„Die“ Krise war aber genauso gut auch eine Krise der Finanzierungsmethoden der
öffentlichen Haushalte und der Leistungsfähigkeit des föderalen Finanzausgleichssystems.
Nicht nur die bis dahin als quasi unerschöpflich angenommenen Kredit- und
Kapitalmarktmöglichkeiten Deutschlands wurden in ihrer Begrenztheit offenkundig;
auch die strukturelle Unterdeckung der Haushalte, also die stetig steigende Verschuldung,
die sich daraus ergab, daß investive Ausgaben zum größeren Teil nicht
aus Steuer- bzw. Finanzausgleichseinnahmen finanziert werden konnten, blieb bestehen.146
Obwohl mit dem Erlaß der 250 Mio. DM Altschulden ein Schlußstrich
unter die Belastungen aus der Zeit der Teilautonomie und der Eingliederung gezogen
werden konnte, blieb schließlich auch die im Vergleich zu anderen Bundesländern
exorbitante Verschuldung des Landes erhalten. Dadurch geriet die öffentliche Haushaltsführung
im Saarland bereits 1966 an den Rand des Kollaps. Das zwang die
Landespolitik dazu, die Lösung für die Überschuldung auch in eigenen Sparmaßnahmen
zu suchen. Dieser Weg wurde letztlich mit Erfolg beschritten - wenn auch am
Rande der Verfassungsmäßigkeit. Außerdem folgte man den Vorgaben der Politik in
Bonn, die die in der Rezession auflaufenden Defizite durch eine mittelfristige Finanzplanung
auffangen zu können glaubte. Dies war zwar im Grundsatz nicht umstritten,
die Vorlage eines konkreten Plans hierfür gestaltete sich aber sehr schwierig, weil die
Rahmendaten der ökonomischen Entwicklung so starken Veränderungen unterworfen
waren, daß kaum eine verläßliche Grundlage für die Vorausschätzung der Finanzie¬!46
Zu den finanzwissenschaftlichen Problemen im teilweise ähnlich von den Strukturwandelerfordernissen
betroffenen Nordrhein-Westfalen vgl, Willm Rolf Meyer, Ressourcenumverteilung zugunsten von
Problemregionen. Das Beispiel Ruhrgebiet, Frankfurt a.M. u. New York 1982.
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