Fraktionsvorsitzenden durch Kritiker aus den eigenen Reihen spricht für diese These.
Allerdings hatte die SPD-Führung auch mit ihrer bereits seit Anfang des Jahrzehnts
zumindest zeitweise immer wieder scharf vorgetragenen und gegenüber dem Regierungsprogramm
deutlich weitergehenden Konzeption von „Umstrukturierung“ keine
wählerwirksamen Erfolge erzielen können. Dies spricht gegen die Verallgemeinerbarkeit
der These von Christoph Nonn, der den Erfolg der Sozialdemokraten in Nordrhein-Westfalen
ab Mitte der 60er Jahre darauf zurückführt, daß die SPD sich in den
entscheidenden Phasen der Strukturkrise in der Opposition befunden hat, wodurch
ihre intern durchaus nicht geringeren Schwierigkeiten bei der Entwicklung einer
angemessenen und vor allem ausgewogenen Problemlösungsstrategie140 nicht so deutlich
zutage traten.141
In gewisser Weise war von diesen Problemen auch die liberale Partei betroffen.
Deren Mißerfolg im Jahr 1970 ist wohl zu einem erheblichen Teil darauf zurückzuführen,
daß die Christdemokraten ihren Koalitionspartner im Wahlkampf rüde attackierten
und ganz gezielt Wähler abzuwerben versuchten,142 Die daraus resultierende
Zwangslage zeigte sich noch Jahre später in einer Äußerung von Reinhard Koch,
der als besondere Leistung der FDP/DPS in dieser Legislaturperiode vor allem das
Wiederanläufen der Ansiedlungserfolge durch die Förderpolitik des von ihm geführten
Wirtschaftsressorts betonte.14 ’ Dagegen fand in dieser Äußerung die konzeptionelle
Neufassung der regionalen Strukturpolitik, an deren Ausgestaltung und Umsetzung
der Minister ja intensiv beteiligt war, kaum Beachtung. Der CDU gelang es offenbar
mit ihrer aggressiven Strategie, die Liberalen aus der als erfolgreich dargestellten
Bewältigung der regionalen Wirtschaftskrise zu verdrängen. Zudem stellte der dem
Trend zur Konzentration des Parteiensystems nach dem „Bonner Modell“ zu eigene
Zwang zu bereits vor der Wahl zu treffenden Koalitionsaussagen die saarländischen
Liberalen vor besonders große Probleme.144 145 Das unsichere Taktieren der FDP vor den
Landtagswahlen144 deutet auf die Schwierigkeiten, nicht nur die in dieser Frage sehr
dynamische Entwicklung ihrer Bundespartei zu berücksichtigen, sondern auch die in
der saarländischen strukturpolitischen Diskussion jener Jahre deutlich hervortretenden
Unterschiede innerhalb des regionalen Verbandes zu integrieren - erinnert sei nur
140 Adolf Kimmei, Die saarländische Landtagswahl vom 4. Mai 1975. Erosionen im sozialliberalen
Bündnis?, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen 6 (1975), S. 498-508, hier: S. 508, spricht für die Mitte der
70er Jahre von einer „Saarlandisierung“, Vgl. auch: ders, Die saarländische Landtagswahl vom 27. April
1980. Gefährdung der „bürgerlichen“ Koalition?, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen 11 (1980), S.
222-237.
141 Nonn, Ruhrbergbaukrise, S. 285ff.
I4* Vgl. hierzu Moser-Praefcke, Regierungsbildung, S. 28.
143 Voltmer, Röder, S. 235ff.
144 Georg Fabritius, Der Bundesrat: Transmissionsriemen für die Unitarisierung der Bundesrepublik?
Geschichte der Koalitionsbildung in den Bundesländern, in: Zeitschrift für Parlamentsfragen 7 (1976),
S. 448-460.
145 Vgl. hierzu Loth, Vertracktes Gelände, S. 119, und Bauer, CDU, S. 78.
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