die Vertreter von Bundesrepublik und Frankreich bei den Luxemburger Verhandlungen
den Anspruch erhoben, eigentlich regionalpolitische Fragen für das Saarland
im Zusammenhang mit dem internationalen Statut zu bearbeiten. Davon waren neben
der bereits erwähnten Umstrukturierung zentraler Aspekte der Wirtschafts- und
Gesellschaftsordnung auch eine Vielzahl von Detail- und Einzelfragen betroffen -
darunter als wichtigste vielleicht die Rückkehr der Familie Röchling in „ihr“ Stahlwerk
in Völklingen.2’
Die Saarverhandlungen steilen somit einen interessanten, weil von den üblichen
Mustern abweichenden Schnittpunkt von regionaler und internationaler Politik dar.* 24
Daher soll im folgenden die Politik der saarländischen Regierung2" als der regional
Bundesländer siehe: Werner Thieme, Föderalismus im Wandel. Bund und Nordrhein-Westtalen
1949-1975. Analyse und Prognose des Verhältnisses von Bund und Land Nordrhein-Westfalen 1949 bis
1975, Köln u.a. 1969. Zur Bedeutung des Föderalismus-Ansatzes bei der Frage nach dem Verhältnis von
Bund und Ländern: Ursula Rombeck-Jaschinski, Nordrhein-Westfalen im Nachkriegsdeutschland
(1945-1958), in: Flans Boldt (Hg.), Nordrhein-Westfalen und der Bund, Düsseldorf 1989 (= Schriften zur
politischen Landeskunde Nordrhein-Westfalens 5), S. 40-59; Hans Boldt u. Torsten Mick, Schrumpfende
Handlungsspielräume: Zur Staatsentwicklung des Landes Nordrhein-Westfalen, in: Peter Hüttenberger
(Hg,), Vierzig Jahre. Historische Entwicklungen und Perspektiven des Landes Nordrhein-Westfalen, 2.
Aufl. Düsseldorf 1986 (= Düsseldorfer Schriften zur Neueren Landesgeschichte und zur Geschichte
Nordrhein-Westfalens 17), S. 89-107; Jakob Schissler (Hg.), Politische Kultur und politisches System in
Hessen, Frankfurt a.M. 1981. Sehr kritisch zu im Kontext von Jubiläen als „Flickwerk heißer Nadeln“
entstandenen Föderalismus-Apologien: Ulrich Reusch, Föderalismus in Vergangenheit und Gegenwart
(1949-1989). Landeszeitgeschichtliche Literatur zum Jubiläum der Bundesrepublik, in: Geschichte im
Westen 5 (1990), S. 109-113, hier: S. 111.
2’ Jean-Paul Cahn, Un aspect de la question sarroise: le règlement de l’affaire Röchling (1954-1956), in:
Revue d'Allemagne 15 (1983), S. 415-438. Vgl. auch Hans-Christian Herrmann, Plante Herrmann
Röchling 1940 ein zusammenhängendes Montanrevier Saar-Lor-Lux?, in: Zeitschrift für die Geschichte
der Saargegend 42 (1994), S. 214-224. Wenig aussagekräftig ist Gerhard Seibold, Röchling. Kontinuität
im Wandel, Stuttgart 2001. Eduard Schäfer, Zur Geschichte der Saarbrücker Zeitung 1918-1968/69,
Saarbrücken 1972; Rüdiger Nebe, Der Saarländische Rundfunk 1955-1978. Analyse zur Rundfunkpolitik
und Programmgestaltung, München 1981; Thomas Herzig, Geschichte der Elektrizitätswirtschaft des
Saarlandes unter besonderer Berücksichtigung der Vereinigten Saar-Elektrizitäts-AG, Saarbrücken 1987,
v.a. S. 25Iff.
24 Natürlich hatten bereits früher gerade die wirtschaftspolitischen Integrationsbemühungen Rückwirkungen
auf das föderale System der Bundesrepublik gezeigt. Das prominenteste Beispiel ist hierfür möglicherweise
die Auseinandersetzung zwischen dem Bund und dem Land Nordrhein-Westfalen im Kontext der
Gründung der Montanunion, siehe hierzu: Rombeck-Jaschinski, Nordhrein-Westfalen; dies., Nordrhein-Westfalen
im Nachkriegsdeutschland, in: Geschichte im Westen 4 (1989), S. 21-35; dies., Nordrhein-Westfalen,
die Ruhr und Europa. Föderalismus und Europapolitik 1945-1955, Essen 1990 (=Düsseldorfer
Schriften zur neueren Landesgeschichte und zur Geschichte Nordrhein-Westfalens 29). Im
Unterschied zum Saarland trat das Land NRW genauso wie sein Ministerpräsident aber selbst nicht auf die
internationale Bühne, und auch der Konflikt zwischen den beiden Regierungsebenen verlief rein innenpolitisch.
25 Vgl. allgemein zum Quellenwert von Kabinettsprotokollen Karl-Ulrich Gelberg, Die Protokolle des
Bayerischen Ministerrats 1945-1954 als zentrale Quelle für die politische, wirtschaftliche und soziale
Entwicklung Bayerns, in: Maximilian Lanzinner u. Michael Henker (Hgg.), Landesgeschichte und
Zeitgeschichte. Forschungsperspektiven zur Geschichte Bayerns nach 1945, Augsburg 1997 (= Materialien
zur Bayerischen Geschichte und Kultur 4/97), S. 89-101. Im Gegensatz zu Bayern wurden im
Saarland jedoch die Protokolle fast ausschließlich als Ergebnisprotokolle geführt. Daher fällt hier die
Rekonstruktion von kabinettsintemen Abstimmungsvorgängen vergleichsweise schwer.
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