Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

Stimmenanteile  und  Sitzverteilung  bei  der  Kommunalwahl  1968
Stimmenverteilung  in  %  Sitzverteiiung

37,6

1904

9,9

1500

595

31
335

CDU  gl  SPD  |  DPS  ■  SVP  ■  Freie  WG
Lesebeispiel:  Die  Freien  Wählergemeinschaften  erreichten  bei  dieser  Wahl  deutlich  mehr  Gemeinderatssitze
  als  die  DPS.  Quelle:  Stat.  Amt  d.  Saarl.  (Hg.),  Endgültige  Ergebnisse  der  Bundestagswahl  im
Saarland  am  28.  September  1969,  Saarbrücken  1969  (=  SiZ,  Sonderh.  60).
strategische  Situation  der  SPD-Saar  Ende  der  60er  Jahre  ähnlich  zu  beurteilen  ist  wie
die  der  Bundes-SPD  zu  Anfang  des  Jahrzehnts.  Gegen  eine  als  erfolgreich  akzeptierte
(Landes-)Politik  war  es  sehr  schwer,  konstruktive  Oppositionspolitik  oder  auch  ein
alternatives  Regierungskonzept  durchzusetzen.136
Besonders  deutlich  wird  dies  an  einem  personalpolitischen  Aspekt:  Die  Sozialdemokraten
  waren  am  Ende  der  60er  Jahre  im  Saarland  mit  einem  Ministerpräsidenten
konfrontiert,  der  die  Rolle  des  „Landesvaters“137 139  weitgehend  adaptiert  hatte  und  sich
in  seinem  Bekanntheits-  und  Beliebtheitsgrad  deutlich  gegen  den  Spitzenkandidaten
der  SPD  absetzte.1  Dies  ist  aus  Perspektive  der  innerparteilichen  Entwicklung  der
Sozialdemokraten  sicher  auch  darauf  zurückzufuhren,  daß  die  SPD  ab  ca.  1966/67  in
eine  Umbruchphase  eintrat,  in  der  der  zeitweise  zu  weit  auf  Kompromisse  ausgerichtete
  Kurs  gegenüber  der  Regierung  Widerstand  vor  allem  bei  den  jüngeren
Parteimitgliedern  hervorgerufen  hat.13'’  Die  zweifache  Desavouierung  des  Partei-  und

136 Vgl.  hierzu  die  Einschätzung  bei  Held,  Sozialdemokratie,  S.  222.
13  Herbert  Schneider,  Ministerpräsidenten,  S.  200.
I3X  Bei  einer  Direktwahl  hätten  sich  1968  60%  der  Saarländer  für  Röder,  aber  nur  15%  für  Kurt  Conrad
entschieden,  vgl.  Falter,  Wahlentscheidung,  S.  139.
139 Rauls,  SPD,  S.  78ff.  Kritisiert  wurde  nach  dieser  Sichtweise,  daß  sich  die  SPD  mit  der  „Rolle  des
ewigen  Zweiten“  abgefunden  habe,  daß  also  einer  der  wichtigsten  Zwecke  von  Parteien,  nämlich  der
Wunsch  nach  Ablösung  der  Konkurrenten  von  der  Machtausübung,  nicht  ausreichend  verfolgt  worden  sei.

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