Full text : Das Saarland im doppelten Strukturwandel 1956 - 1970

einer  integrierten  Gesamthochschule  vorsah,129 131  während  das  Modell  von  Regierung
und  Koalition  sich  sozusagen  auf  ein  Gerüst  für  den  Aus-  und  Aufbau  der  saarländischen
  Hochschullandschaft  beschränkte.11(1
3.2.2 Erfolge  und  Mißerfolge  von  Reformpolitik  vor  dem  Wähler
Die  Ergebnisse  der  Wahlen  in  der  zweiten  Hälfte  der  60er  Jahre  zeigen  auf  den  ersten
Blick  eine  klar  zu  bestimmende  Entwicklung:  Insbesondere  die  Landtagswahl  von
1970  führte  zu  einer  weiteren  Konzentration  im  Parteiensystem,  die  den  Liberalen  das
vorübergehende  Ausscheiden  aus  dem  Parlament  und  der  CDU  eine  absolute  Mehrheit
  brachte.  Dieser  Wahlerfolg  der  CDU  ist  allerdings  -  wie  Aggregatdatenanalysen
und  die  Auswertung  von  Umfrageergebnissen  zeigen  -  ambivalent  zu  bewerten.  Die
konfessionelle  Verteilung  im  Saarland  hatte  nämlich  ihre  frühere  Funktion  als  Garant
der  Machtbasis  der  CDU  spätestens  nach  1965  immer  weiter  verloren.  Die  Sozialdemokraten
  profitierten  von  ihrem  Zugang  zu  katholischen  Wählerschichten  deutlich
mehr  als  die  CDU  von  ihren  bescheidenen  Erfolgen  im  protestantischen  Bevölkerungsteil.1’*
  Weiterhin  waren  in  der  Wählerschaft  der  CDU  viele  ältere  Bürger  vertreten,
  während  ein  auffallend  hoher  Anteil  der  Jüngeren  sich  der  SPD  zuwandte.
Auch  war  die  Gruppe  der  mit  der  wirtschaftlichen  Situation  im  Saarland  Unzufriedenen
  in  der  Wählerschaft  der  SPD  besonders  stark  vertreten.  Die  CDU  dagegen  sprach
überwiegend  die  eher  zufriedenen  Bürger  an,  konnte  allerdings  auch  einen  viel
größeren  Anteil  der  parteipolitisch  nicht  festgelegten  Wähler  an  sich  binden.132
Teilweise  scheint  daher  die  Strategie  von  Sozialdemokraten  und  Liberalen  Erfolg
gezeigt  zu  haben,  die  gerade  vor  der  Landtagswahl  ihr  Selbstbild  eng  an  die  politische
Bewältigung  des  regionalen  Strukturwandels  geknüpft  hatten.133  Trotzdem  konnte  die
CDU  ihre  regionale  Dominanz  behaupten,  obwohl  ihre  Strukturpolitik  eine  besonders
schwierige  Entwicklung  genommen  hatte.  Zweifellos  ist  dabei  auch  zu  berücksichtigen,
  daß  etablierte  Parteipräferenzen  sich  auch  bei  den  Wahlgängen  am  Ende  der
60er  Jahre  als  relativ  stabil  erwiesen,  was  angesichts  der  langjährigen  Dominanz  der
Christdemokraten  im  Saarland  die  CDU  begünstigte.  Die  Sozialdemokraten  profitierten
  zwar  bei  Bundestagswahlen  im  nationalen  Rahmen  von  ihrer  mittlerweile  in  der

i2y  Vgl.  hierzu  die  Darlegungen  von  Wilhelm  Werth  (SPD),  in:  LTDS,  5.  WP,  Abt.  I,  82.  Sitzung
v.  29.4.70,  S.  2385ff.
130  So  Maria  Schweitzer  (CDU),  ebd.,  S.  2383f.
131  Kappmeier,  Konfession  und  Wahlverhalten,  S.  57ff.
132  Jürgen  W.  Falter  u.  Volker  Trommsdorff,  Psychische  und  soziale  Determinanten  des  politischen
Verhaltens  im  Saarland,  Saarbrücken  1972,  S.  16,  S.  24  und  S.  81.
133  Vgl.  hierzu  die  aufschlußreichen  programmatischen  Wahlkampfschriften  von  Harald  Feling  u.  Albert
Graeser(Red.),  F.D.P.  Saar-Plan,  Saarbrücken  1970,  und  SPD-Fraktion  im  Landtag  des  Saarlandes  (Hg.),
Bilanz  eines  Versagens.  Die  Wirtschaftspolitik  der  Regierung  Dr.  Röder,  Saarbrücken  1970  (=SPD-Fraktion
  im  Landtag  des  Saarlandes  1).  Beide  Schriften  pointieren  jeweils  eine  stark  regierungskritische
  und  explizit  auf  die  damals  moderne  Form  der  Strukturpolitik  ausgerichtete  Selbstdarstellung.

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