und schulorganisatorischen Bedingungen möglich sei, und es sollten die Privatschulen
in ihrer Existenz gesichert und mit finanzieller Unterstützung versehen
werden.122 Diesem Vorschlag verweigerte die SPD nun allerdings in letzter Minute
die Zustimmung. Der Fraktionsvorsitzende Kurt Conrad mußte vor dem Parlament
erklären, daß ungeachtet der Tatsache, daß die SPD „immer schon“ die gemeinsame
Unterrichtung von Schülern protestantischer und katholischer Konfession für den
richtigen Weg gehalten habe, die Parteigremien der saarländischen SPD dem auch
von ihm unterstützten Kompromiß in dieser Form mit einer Stimme Mehrheit die
Zustimmung verweigert hatten.123 Dieser neuerlichen Ablehnung eines Kompromißvorschlages
durch die SPD begegneten die anderen Fraktionen mit großem
Unverständnis und harter Kritik.124 Auch wenn man bei dieser Abstimmung sicher
nicht von einem „dunklen Tag in der Geschichte dieses Parlaments“125 sprechen kann,
wird man doch diese Vorkommnisse kaum anders als als neuerliche Desavouierung
des SPD-Fraktionsvorsitzenden bezeichnen können, denn seine taktische und strategische
Position als Verhandlungsfuhrer bei interfraktionellen Beratungen war an die
Zuverlässigkeit der von ihm gegebenen Zusagen gebunden.126
In den weiteren Beratungen zum Thema Bildungsreform127 fanden die Sozialdemokraten
dementsprechend kaum noch Ansatzpunkte für eine wirksame Oppositionsarbeit.
So ging beispielsweise die parlamentarische Beratung des Gesetzes über die
Pädagogische Hochschule als überkonfessionelle Körperschaft öffentlichen Rechts
praktisch an der SPD vorbei, die sich nur mühsam mit ihrer Forderung nach Einrichtung
einer Gesamthochschule behaupten konnte - ein Anklang immerhin an die in
den vorangegangenen Debatten immer wieder erhobene Forderung nach Sicherstellung
der „Wissenschaftlichkeit“ in der Lehrerbildung.128 Ähnliche Ansätze fanden
sich auch noch in den praktisch kurz vor Ende der Legislaturperiode durchgeführten
Diskussionen über das Gesetz über die Hochschule des Saarlandes, das den vorerst
letzten Bestandteil der Neuordnung der saarländischen Hochschullandschaft bringen
sollte. Auch hier legte die SPD einen Konkurrenzentwurf vor, der die Einrichtung
122 Vgl. hierzu die Rede der Berichterstatterin Maria Schweitzer (CDU), ebd., S. 2005ff.
1:3 Vgl. hierzu seine Reden ebd., S. 2006ff und 2015Cf.
124 An den Oppositionsführer persönlich richtete sich die Frage, ob er nicht „mit... [seiner] Fraktion hier
in eine Falle gelockt worden ... [sei] und heute morgen die Kapitulation derjenigen erklären [müsse], die
von ... [seiner] Fraktion an diesen Verhandlungen teilgenommen haben.“ Alfred Wilhelm (CDU), ebd.,
S. 2009.
I2> So Berthold Budell (CDU), ebd., S. 2017.
126 Auch daß die anderen Fraktionen auf die dritte Lesung dieses Gesetzes verzichteten und somit der SPD
einige Monate später sogar die Chance einräumten, in der Zwischenzeit noch vorgenommene Änderungen
des Textes als Erfolg ihrer Verzögerungspolitik darzustellen, ist demgegenüber als wenig hilfreich zu
bewerten, LTDS, 5. WP, Abt. I, 75. Sitzung v. 5.11.69, S. 2106-2110.
127 Einen Überblick über das Reformwerk gibt Ständige Konferenz der Kultusminister der Länder der
Bundesrepublik Deutschland, Kulturpolitik der Länder 1969-1970, München 1970, S. 202-213.
128 LTDS, 5. WP, Abt. 1,78. Sitzung v. 17.12.69, S. 2179-2185(1).
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