darstellte, während er gleichzeitig das wenig konstruktive Verhalten der Sozialdemokraten
beanstandete.1' Demgegenüber war dem Versuch von Friedrich Regitz,
wenigstens einen Teil der „Schuld“ für das sich abzeichnende Scheitern der Verfassungsänderung
der CDU zuzuweisen, wenig Erfolg beschieden.115 116 119 Nachdem bereits
vorher ein Angebot der SPD, den Antrag mit den Stimmen nur der CDU durch die
zweite Lesung zu bringen und dann die dritte Lesung zu vertagen, erfolglos geblieben
war, scheiterte zuletzt auch ein Verweisungsantrag des Fraktionsvorsitzenden Kurt
Conrad selber.1!
Im Frühsommer des folgenden Jahres startete die SPD-Führung eine neuerliche
Initiative. Nachdem sich die Fraktionen in intensiven Beratungen einander angenähert
hatten und nachdem sich auch für die immer noch offene Frage der Privatschulen eine
Lösung abzeichnete,1 lx forderte die SPD nun die Regierung auf, die Verfassungsfrage
erneut dem Parlament vorzulegen.110 Das kurz darauf ins Parlament eingebrachte
Gesetzespaket - es lagen drei unterschiedliche Entwürfe zur Änderung der Verfassung
sowie ein Entwurf für das Schulordnungsgesetz vor - zeigte jedoch, daß die Bereitschaft
zur Kooperation unter den Augen der Öffentlichkeit in dieser Frage nur recht
gering ausgeprägt war. Vielmehr stellten die unterschiedlichen Entwürfe eher „Extrempositionen“
der Parteien dar, die nach ihrer Verweisung ohne weitere Debatte in
den Ausschüssen erst noch zu einer Kompromißlinie zusammengefaßt werden
mußten.120 Erst nach einigen Wochen war man so weit fortgeschritten, daß fraktionsübergreifend
die ersatzlose Streichung des Artikels 31 der saarländischen Verfassung
beschlossen werden konnte. Dadurch war die Vorschrift, daß die Ausbildung von
Volksschullehrern konfessionell getrennt zu erfolgen habe, beseitigt und der Weg zur
Neuordnung der Hochschullandschaft offen.121
Keine Einigung war dagegen bei der Frage der Neugestaltung des Artikels 27 der
Verfassung zu erreichen. Hierzu lag ein Kompromißvorschlag aus den Ausschußberatungen
vor, der die Einführung der sog. Gemeinsamen Schule für Schüler aller
Bekenntnisse vorsah; zusätzlich sollte die Möglichkeit eröffnet werden, auf Antrag
der Eltern Bekenntnisklassen einzurichten, falls dies im Rahmen der pädagogischen
115 Ebd., S. 1734ff.
116 Ebd., S. 1737.
117 Ebd., S. 1741.
118 Vgl. hierzu den Beitrag von Maria Schweitzer (CDU) in: LTDS, 5. WP, Abt. I, 70. Sitzung v. 7.5.69.
S. 1928.
119 Dabei zeigte man sich in hohem Maße verärgert darüber, daß aufgrund des eigenen Abstimmungsverhaltens
nun der Eindruck entstanden sei, als behindere ausgerechnet die Sozialdemokratie die als
notwendig erachtete Reform im Bildungswesen. Vgl. hierzu die Antragsbegründung von Richard Klein
(SPD) ebd., S. 1925ff.
120 Sehr deutlich hierzu Friedrich Regitz (SPD) in: LTDS, 5. WP, Abt. 1,71. Sitzung v. 4.6.69, S. 1945.
Insbesondere die Frage der Privatschulen und ihrer finanziellen Ausstattung durch das Land rief heftige
Kritik bei der SPD hervor.
131 LTDS, 5. WP, Abt. I, 73. Sitzung v. 9.7.69, S. 2019, vgl. hierzu auch Brosig, Verfassung, S. 237, und
Stollhof, Verfassung, S. 136.
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